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Kirchliche Berufe müssen attraktiver werden

Erste Zeichen heilsamer Unruhe

Die Zahl der Studienanfänger und Auszubildenden in kirchlichen Berufen hat in den letzten Jahren abgenommen. Sind kirchliche Berufsfelder nicht mehr attraktiv? Wie reagiert der Arbeitgeber, die Kirchenleitung auf diese Tendenz?


  Die Erzieherin an einem evangelischen Kindergarten und ihr "Nachwuchs": Sie könnte ein schönes Symbolfoto für die Zukunft kirchlicher Berufe sein, wenn die tatsächliche Nachwuchssituation nicht so beklemmend wäre.

Foto: Fechter

Bei den ureigensten kirchlichen Berufen, den Pfarrern und den Diakonen, sind die Bewerberzahlen in den letzten Jahren stark rückläufig. Hatten sich 1985 noch 225 Studienanfänger im Fach Theologie in die Anwärterliste für den späteren Pfarrberuf eingetragen, so waren es im Jahr 2000 nur noch 58. Auch bei den Diakonen ist die Zahl der Schüler rückläufig. Fünf Wochen vor Anmeldeschluss waren heuer in der Diakonenschule Rummelsberg noch nicht genug Bewerbungen für die 35 Ausbildungsplätze eingegangen.

Trotz dieses alarmierenden Trends gibt man sich bei den Verantwortlichen in Kirche und Diakonie nach außen noch unbeeindruckt. Frank Seifert, Ausbildungsreferent im Landeskirchenamt, sieht in dem rückläufigen Interesse an kirchlichen Berufen eine Pendelbewegung, bei der es über die Jahre "mal mehr und mal weniger Bewerber" gebe. Er sieht sogar eine Bewegung hin zum Thema Religion.

Neue Aktivitäten

Etwas mehr Unruhe zeigt sich hingegen bei denen, die direkt mit der Ausbildung von Theologen und Diakonen befasst sind, deren Arbeitsstelle direkt von genügend Schülern und Studenten abhängt. So war es kein Zufall, dass die Diakonenschule Rummelsberg bei der kürzlich veranstalteten Berufsmesse für kirchliche Berufe deutlich präsent war. Gibt es doch im Bundesgebiet bereits eine erste Diakonenschule, die mangels Nachwuchs ihre Ausbildung eingestellt hat.

Beim Besuch der Berufsmesse in Rummelsberg (das Sonntagsblatt berichtete) konnte man den Eindruck gewinnen, dass zumindest der Ausbildungsbereich für die kirchlichen Berufe langsam aufwacht. Die Berufsmesse war die erste ihrer Art, bei der Ausbildungsstätten für sieben Berufe gemeinsam um Nachwuchs warben. Es stellten sich vor: Pfarrer/in und Theologe/in; Religionslehrer/in; Dipl.-Religionspädagoge/in; Dipl.-Sozialpädagoge/in; Dipl.-Pflegewirt/in; Diakon/in; Kirchenmusiker/in.

Auch der Aufwand mit über 30 Betreuern - und das bei nur 60 Besuchern! - war einmalig. Für Seifert war die Messe ein Startschuss für weitere Entwicklungen.

Die ist mehr als nötig: Die kirchliche Mitarbeiterschaft - mit ihr die Kirche als Arbeitgeberin - muss sich offensiv der Frage stellen, ob die Kirche für zukünftige Generationen als Arbeitsplatz attraktiv bleibt. Welche Gründe es für die Wahl oder Nicht-Wahl des Theologiestudiums gibt, hat jetzt eine EKD-Studie unter Studierenden aller Fachbereiche aufgezeigt. Neben gesellschaftlichen Trends und einer persönlichen Glaubensüberzeugung sind es vor allem die Attraktivität des Studiums und das Image des Arbeitgebers Kirche sowie die dazugehörigen Berufsperspektiven. Die haben sich mit dem Rückgang der Studienzahlen wesentlich gebessert.

Spannend ist vor allem die Frage, wie Kirche und Diakonie es schaffen wird, Quer- und Späteinsteigern einen Zugang zum kirchlichen Beruf zu ermöglichen. Denn dass bei den heute zunehmend gebrochenen Lebensläufen ein Beruf bis ans Lebensende ausgeübt wird, wird zunehmend seltener.

Auch in der Kirche ist ein neuer Trend zum Ergreifen eines "sinnstiftenden Berufes" in vorgerücktem Alter unverkennbar. Bei den Diakonenschülern wird das geforderte Mindestalter von 16 Jahren im Regelfall deutlich überschritten. Und auch im Landeskirchenamt melden sich zunehmend Menschen mittleren Alters mit dem Wunsch, Pfarrer oder Pfarrerin zu werden. So wird laut Referent Seifert überlegt, das verkürzte Studium des Pfarrverwalters wieder aufleben zu lassen, das in Zeiten der Theologenschwemme in Vergessenheit geraten war.

Bezahlte Ausbildung

Der erste neue Student hat inzwischen mit einer Ausnahmegenehmigung das Studium begonnen. Ein interessantes Modell auf der Ebene der Diakonie hat sich darüber hinaus die Diakonenschule Neinstedt in Thüringen einfallen lassen: Sie bietet Diakonenschülern eine 50prozentige Anstellung während der Ausbildung.

Albrecht Winter


Kontakt:
Wer sich für kirchliche Berufe im allgemeinen und für den Pfarrberuf im besonderen interessiert, wendet sich im landeskirchlichen Ausbildungsreferat an Pfarrer Frank Seifert, Tel: (089) 5595-232. Informationen zur Ausbildung zur Diakonin / zum Diakon erhält man bei der Diakonenschule Rummelsberg, Tel: (09128) 502222. Im Internet unter: www.diakon.de


Nr. 5 - April 2001





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