Warum ich in der Kirche mitarbeite (5): Sebastian Walter
"Ich möchte Kirche als Spaß-Faktor vermitteln"
Fast jede Kirchengemeinde hat ihre Jugendgruppe. In Bayern nehmen etwa 130.000 Kinder und Jugendliche an Gruppen, Projekten oder Freizeiten teil. 10.000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 27 arbeiten als ehrenamtliche Mitarbeiter in der Kirche mit. Was veranlasst sie dazu, Stunden und Tage ihrer Freizeit in diese Tätigkeit zu stecken?
Sebastian Walters Einstieg in die ehrenamtliche Mitarbeit begann geradezu klassisch mit der Konfirmation: "Wir hatten keinen sturen Konfirmationsunterricht, sondern eher ein Projekt", erzählt der 18-jährige aus Petershausen in Oberbayern. Durch den spielerischen Charakter sei bei ihm das Interesse an der Kirchengemeinde geweckt worden. Mit 15 war er dann als Betreuer bei einer Kinderfreizeit dabei. Dabei machte er eine wichtige Entdeckung: "Es hat mir großen Spaß gemacht, zu planen, zu organisieren und mit den Kindern zu spielen." Und - er konnte sich selbst bei den 12-jährigen mühelos durchsetzen.
Nach dieser Freizeit gründete er zusammen mit einer Freundin ein Gruppe für Acht- bis Zwölfjährige. Danach leitete er Jugendgruppen, war Mitglied im Jugendausschuss, dem Leitungsgremium aller Kinder- und Jugendprojekte der Gemeinde. Außerdem hat er Kindergottesdienste geleitet, und er organisiert noch regelmäßig Gottesdienste und Andachten für Jugendliche.
Was er für diese Funktionen brauchte, hat er sich selbst beigebracht: "Natürlich sind in den Gruppen immer mal Quengelgeister dabei, aber entweder habe ich versucht, mit denen zu reden oder ihnen nicht so viel Beachtung geschenkt", erklärt Sebastian Walter. Erst im letzten Jahr hat er einen Fortbildungskurs der Evangelischen Jugend in München besucht und dabei eine sogenannte Jugendleitercard erworben.
Wie vielen anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern der Kinder- und Jugendarbeit liegen auch Sebastian Walter theologische Themen eher fern: "Mir ist einfach wichtig, den Jugendlichen die Kirche als Spaßfaktor näher zu bringen". In seiner Heimatgemeinde läuft die Entwicklung der evangelischen Jugendgruppen seiner Meinung nach immer mehr in Richtung "öffentlicher Treff": "Die Jungen und Mädchen wollen quatschen, Spaß haben und auch mal eine Aktion machen". Mit kirchlichen Inhalten, wie sie im Religionsunterricht vermittelt werden, hätten viele Probleme: "Das liegt aber auch an der Kirche", kritisiert Walter, "ich finde es langweilig, wenn ein Religionslehrer das auslegt, was irgendwelche Theologen sagen."
Dabei seien Themen wie Umweltschutz, Eine-Welt-Arbeit, aber auch "Träume" oder "Märchen" sehr beliebt bei Kindern und Jugendlichen. Kritik übt Walter auch an den Gottesdiensten: "Andachten mit Chill-out-Charakter (Entspannungszone in der Disco, d. Red.) würden bei den Jugendlichen bestimmt sehr gut ankommen".
Wie kommt seine Tätigkeit bei seinen Altersgenossen an? "Wenn ich erzähle, dass ich für die Kirche arbeite, schreckt das erst einmal ab", erzählt er. Er versucht, seinen Klassenkameraden dann zu vermitteln, wie viel Spaß diese Arbeit macht.
Sebastian Walter wird im nächsten Jahr sein Abitur machen. Warum steckt er so viel seiner Freizeit in die ehrenamtliche Arbeit in seiner Gemeinde? Ganz genau kann er es nicht benennen, was ihn daran so fasziniert: "Es ist teilweise schon sehr stressig", meint Walter. Er könne sich aber nicht vorstellen, wie viele seiner Altersgenossen den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen: "Ich habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, was auch noch sehr viel Spaß macht." Momentan denkt er über seine berufliche Zukunft nach: "Am liebsten würde ich in die freie Wirtschaft gehen", sagt er. Seinen Altersgenossen hat er dabei eine unersetzliche Qualifikation voraus: Erfahrung im Umgang mit Gruppen und Leitungsgremien, in Fragen der Organisation und Finanzplanung: "Das schreibe ich auf jeden Fall in die Bewerbungen."
Annette Klinkhardt