Home


Vom Umgang mit dem Ehrenamt

Hauptamtlicher Dilettantismus

Über Ehrenamtliche lässt sich trefflich schwadronieren - im internationalen Jahr der Freiwilligen, das die UNO 2001 proklamiert hat, ganz besonders. Dabei sind es, hat unsere Autorin festgestellt, vor allem die Hauptamtlichen, die sich über das Ehrenamt auslassen. Sie muss es wissen, denn sie ist durch und durch eine "Ehrenamtlerin". Unter anderem ist sie als solche: Mitglied der bayerischen Landedssynode, Mitglied im Redaktionsbeirat dieser Sonntagsblatt-Beilage. Auszüge aus einem Vortrag, den Christine von Falkenhausen bei einem Dekanatsempfang in Sulzbach-Rosenberg hielt:

Ich habe einen interessanten Job. Meine Arbeitszeit ist flexibel, durchschnittlich 30 Wochenstunden, meist abends, häufig am Wochenende. Die Tätigkeit ist vielseitig. Viele Entscheidungen habe ich zu treffen, Stellen zu besetzen, Strategien zu entwickeln, über Investitionen in Millionenhöhe zu entscheiden. Gefragt, "Bei welcher Firma arbeiten Sie denn?" antworte ich: "Ich bin Ehrenamtliche bei der Kirche." Die häufigste Reaktion ist ein gelangweiltes "Ach so!" Ein alter Onkel erklärte mir einmal, das sei ja alles ganz nett mit den guten Werken, aber ich solle doch mal sehen, dass ich auch ein bisschen Geld verdiene.

Derzeit gibt es Fachtagungen und Kongresse zuhauf zum Thema Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement, freiwillige Dienste usw. Die Teilnehmenden sind meist einschlägig vorbelastete Hauptberufliche, die sich die Köpfe darüber heiß reden, was man den Ehrenamtlichen alles Gutes tun könne, wie besser würdigen und anerkennen, besser absichern, und natürlich, wie ihre Fähigkeiten und Bereitschaft zur unentgeltlichen Arbeit besser nutzen - was man im Hinblick auf manche Tätigkeit auch ehrlicher mit "ausnutzen" beschreiben könnte.

Der - hauptberufliche - Geschäftsführer einer Freiwilligen-Agentur outete sich auf einer solchen Fachtagung.... Ihm rutschte der Satz heraus: "Die Profis müssen ihren Umgang mit Ehrenamtlichen also verändern." Ich habe dabei gehört: Der Gegensatz zu Ehrenamt ist Professionalität. Und dies im gebräuchlichen, nicht im eigentlichen Wortsinn. Das halte ich nicht nur für falsch, es macht mich auch von Herzen gallig. Der Gegensatz zu Professionalität ist nicht Ehrenamtlichkeit, sondern Dilettantismus. Davon hat mancher Hauptamtliche durchaus die eine oder andere Portion vorzuweisen.

Christine von Falkenhausen





Nr. 5 - April 2001





Kirchliche Berufe müssen attraktiver werden

Die Zahl der Studienanfänger und Auszubildenden in kirchlichen Berufen hat in den letzten Jahren abgenommen. Sind kirchliche Berufsfelder nicht mehr attraktiv? Wie reagiert der Arbeitgeber, die Kirchenleitung auf diese Tendenz?
 
» mehr...



Serie: Warum ich in der Kirche mitarbeite (5): Sebastian Walter

In jeder Ausgabe werden wir hier einen ehrenamtlichen Mitarbeiter oder eine ehrenamtliche Mitarbeiterin aus der kunterbunten Schar der mehr als 130.000 Ehrenamtlichen in der bayerischen Kirche näher vorstellen.

» mehr...



Kirche will neuen Qualitätsstandard einführen:

Ein eigenes "Gütesiegel" für Kindergärten hat die Bundesvereinigung der Evangelischen Kindertageseinrichtungen angeregt.
 
» mehr...



Eine Auswahl wichtiger Veranstaltungen und Termine für Mitarbeitende in der Kirche

» mehr...



Surftipps für Mitarbeitende in der Kirche

» mehr...



  • Werkstatt Teamwork (1): Entwicklungsphasen im Leben einer Gruppe
    Beschnüffeln, bekriegen, besprechen, bearbeiten
  • Leitbildentwicklung im Team: Ein Leib, viele Glieder
     
    » mehr...



    Evangelische Vielfalt: Es gibt eine beinahe schon unübersehbare Vielzahl von Ämtern, Werken, Diensten, Arbeitsgemeinschaften, freien Verbänden und Vereinen. Von wohl allen könnten haupt- oder ehrenamtliche Mitarbeiter irgendwie profitieren; zumindest ist es interessant und anregend, von ihrer Arbeit zu hören. "Kirche konkret & kontrovers" stellt unter dieser Rubrik wichtige protestantische Adressen vor.

    Diesmal: Das Amt für Gemeindedienst (Nürnberg)


     
    » mehr...





  • © Sonntagsblatt 2001