Mehr Effizienz mit weniger Personal: Neuausrichtung des Landeskirchenamts
Eine Behörde wird "umgeklappt"

Mehr leisten mit weniger Mitarbeitern: Dieses Kunststück will die bayerische Landeskirche beispielhaft mit ihrer eigenen obersten Behörde, dem Landeskirchenamt in München, vormachen. Ob und wie dieses Kunststück gelingt, dazu wird ab sofort, nämlich ab 1. März, der Beweis angetreten. Bis 2003 soll das Personal von jetzt 320 Stellen um 46,5 Stellen reduziert werden.
Es ist ein merkwürdiges Wort, das den Vorgang der Strukturreform im Landeskirchenamt beschreibt: "Umklappung!" Am 1. März wird ein ganzes Haus "umgeklappt", und wer in diesem Haus arbeitet, findet seit diesem magischen Datum im hausinternen Computernetz einen neuen, jetzt gültigen Geschäftsverteilungsplan, der aus neun Abteilungen sechs macht. Und der im übrigen die Unterscheidung versucht zwischen strategischen Aufgaben, die auf der Ebene der Abteilungsleiter (sprich: Oberkirchenräte) angepackt werden, und dem operativen Geschäft, das in jetzt 26 Referaten innerhalb der Abteilungen erledigt wird.
Strategisch und operativ: Es sind schillernde Begriffe aus dem Wortschatz der Unternehmensberatung Taeger, die die Neuausrichtung eines Amtes begleitet, dessen Kürzel "LKA" von böswilligen Spöttern mit "Lange keine Antwort" übersetzt wurde. Durch Prozess-Optimierung und Zieldimensionierung - damit werden die nach unten korrigierten Stellenzahlen beschrieben - soll nun ein "Dienstleister" entstehen, "kundenorientiert", "kompetent", "effizient", "transparent". Das alles klingt nach einer wunderschönen neuen Arbeitswelt, doch wie erlebt eigentlich der einzelne Mitarbeiter eine solche massive Veränderung seines Arbeitsplatzes?
Ingulf Planeth, der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung im Landeskirchenamt, schlägt sich, als oberster Mitarbeitervertreter, seit nunmehr über einem Jahr mit der Strukturreform herum. Wie viele Mitarbeiterversammlungen deswegen schon abgehalten worden sind, könnte er erst nach genauerem Studium seines Aktenordners sagen. Eines aber weiß er sicher: Während anfangs durchaus eine Aufbruchstimmung unter den Mitarbeitern herrschte, macht sich mittlerweile eher abwartende Skepsis breit.
Vor allem aber: Mit dem Stichtag 1. März ist für Planeth die Umstellung keineswegs abgeschlossen, im Gegenteil: Jetzt erst muss sich, bis zum Jahr 2003, wenn die Zieldimensionierung - sprich Stellenreduzierung - schließlich erreicht sein wird, zeigen, ob das System funktioniert. Die Zeit des Theoretisierens ist vorbei, die Probezeit der Praxis beginnt.
Wenn man das Gespräch mit einzelnen Mitarbeitern aus dem Landeskirchenamt sucht, fällt auf, dass zur großen Zäsur viele am liebsten gar nichts sagen, schon gleich gar nicht unter Nennung ihres Namens. Oder - wie es jemand ausdrückt: Mancher tobt im stillen. Einige Mitarbeiter glauben sogar, in den letzten Wochen einen ziemlichen "Stillstand" im Amt beobachtet zu haben. Wie ging der Witz vom Beamten-Mikado? "Wer sich zuerst bewegt, hat verloren."
Eines freilich erkennen alle an: Dass kein Mitarbeiter freigestellt wird. Der Stellenabbau geschieht "sozial verträglich", wie es dem Unternehmen Kirche angemessen ist. Diese Zusage der Kirchenleitung ist auch nie von den Mitarbeitern angezweifelt worden.
Bei so genannten "Abteilungstagen", die inzwischen stattfanden und bei denen die Mitarbeiterschaft der einzelnen neuen Abteilungen zusammenkamen, zeigte sich freilich, dass mancher sich im wahrsten Sinne des Wortes verschoben fühlt. Wenn Stellen plötzlich wegfallen oder wegfallen sollen, muss bei den Betroffenen zwangsläufig der Eindruck entstehen, dass ihre bisherige Arbeit wohl nicht die genügende Wertschätzung erfahren hat. Das motiviert nicht gerade, sich an dieser Unternehmensreform zu beteiligen.
Die neue Unternehmensstruktur weckt andererseits auch positive Erwartungen. Gespannt ist man, wie im Alltag der Behörde die größere Entscheidungsbefugnis der mittleren Ebene, der Referate, sich auswirkt. Dort wird zum Beispiel künftig der Urlaub genehmigt.
Wird die Reform gelingen? Ihr Erfolg muss sich in der unmittelbaren Zukunft entscheiden, er "steht und fällt mit der Motivation der Mitarbeiter", wie Diakon Günter Laible, künftiger Geschäftsführer im Landeskirchenamt, sagt. Mitarbeitervorsitzender Planeth fordert denn auch alle auf, "kräftig den Finger zu heben". Gespannt darf man schon jetzt auf die Mitarbeiterversammlung Anfang April sein, wenn die Mitarbeiterschaft Gelegenheit hat, eine erste Bilanz zu ziehen. Für die Mitsprache der Betroffenen ist es keineswegs zu spät.
Lutz Taubert