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Warum ich in der Kirche mitarbeite (4): Gertrud Schöfthaler-Schwarz

LoLa lockt junge Leute an

LoLa, der Lorenzer Laden der evangelischen Kirche in Nürnberg, wäre nicht LoLa, wenn er nicht von einem ganzen Heer von etwa 80 ehrenamtlich Mitarbeitenden mitgetragen würde. Unser Ehrenamtlichen-Porträt zeigt, welches Selbstverständnis diese aktive Mitarbeit ausmacht:

Spiritualität und politisches Bewusstsein miteinander verbinden zu können: Das hat mich damals fasziniert", erinnert sich Gertrud Schöfthaler-Schwarz. Als sie 1985 zum Lorenzer Laden (LoLa) stieß, war das eine neue Erfahrung für sie. Ein lockeres Zusammensein von Menschen, die ihren Glauben teilen: ihre Religion, aber auch politische Überzeugungen. 1980 vom Verein für volksmissionarische Dienste an St. Lorenz e.V. gegründet, war LoLa etwas ganz Neues: Treffpunkt, Café, Gottesdienststätte, auch ein kleiner Dritte-Welt-Laden. Alles unter einem Dach. Spiritualität und Verantwortung für die Welt gehören hier zusammen.

"Ich fand es spannend, dass LoLa keine traditionelle Form von Kirche war und ist", betont Schöfthaler-Schwarz. Mit 18 zog sie aus der fränkischen Schweiz nach Nürnberg, um im Martha Maria Krankenhaus eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen. Über ihre Mitarbeit beim Christlichen Verein Junger Menschen kam sie mit dem LoLa erstmals in Berührung. So sei sie auf die Pfingstnacht aufmerksam geworden. Eine ganze Nacht lang blieb die Lorenzkirche für junge Leute geöffnet, eine Rockband spielte. Scharenweise rückten Jugendliche an, mit Schlafsack unterm Arm.

Damals war sie Mitte zwanzig. Heute ist die 39jährige als Ehrenamtliche seit Jahren dabei: "Nach und nach wurde mir klar, dass es mir mehr bringt, wenn ich aktiv mitarbeite." Wichtig ist es für sie, Kirche nicht nur zu konsumieren, sondern Glaube auch zu leben. Das bedeutet für die gelernte Krankenschwester, in der Gemeinde mitzuhelfen.

Aktive Mitarbeit gehört auch zum Selbstverständnis von LoLa. Denn man begreift sich als Basisgemeinde: keine Hierarchien, gemeinsame Entscheidungen. Jeder kann sich aktiv einbringen. Ohne die engagierte Mitarbeit der 80 ehrenamtlichen Helfer wäre LoLa auch nicht überlebensfähig. Anzupacken gibt`s genug. Sei es beim Verkauf der Dritte-Welt-Produkte, bei der Seelsorgearbeit im Café oder bei der Arbeit in der Gemeinde. Als Gemeindebeauftragte hilft Schöfthaler-Schwarz mit, alle zwei Monate die Gemeindeversammlung vorzubereiten.

Ein wichtiges Forum: Alle Projekte werden besprochen, Familienfreizeiten gemeinsam geplant. Darüber hinaus unterstützt sie die drei hauptamtlichen LoLa-Mitarbeiterinnen, Ladenpfarrerin Hertha Steinmaier, Sozialpädagogin Helga Reinholtz und Stephanie Stein, wo es nur geht. Im Alleingang läuft nichts. Gegenseitige Hilfe ist selbstverständlich.

Besonders das Gottesdienstteam liegt Schöfthaler-Schwarz am Herzen. Seit Jahren engagiert sie sich bei der Vorbereitung und Mitgestaltung der Gottesdienste. Gerade hier wird Glaube für sie spürbar, sagt die 39jährige. Jeden Freitag um 19 Uhr treffen sich alle im Lorenzer Gemeindesaal, um den Gottesdienst zu feiern. Kein Gottesdienst in traditioneller Form. Die Gottesdienste leben von dem Erzählen, dem aktiven Gestalten aller, dem gemeinsamen Beten und Singen. Eine Predigt ist nicht immer die Regel. Was zählt, ist vor allem eins: der gegenseitige Austausch über soziale Themen wie Arbeitslosigkeit und Globalisierung.

Auch die Kinder kommen im LoLa nicht zu kurz. Denn viele der altgedienten Mitarbeiter sind inzwischen Eltern geworden. Die siebenmonatige Luisa, Gertrud Schöfthaler-Schwarz` kleine Tochter, ist immer mit von der Partie. Kinder sind integriert: Das beweist nicht nur die kleine Spielecke im Café. Auch bei den Gottesdiensten sind sie dabei. Jeden ersten Sonntag im Monat gibt`s einen Gottesdienst für Erwachsene und Kinder. "Bibeltexte werden kindgerecht erzählt oder spielerisch dargestellt", so Schöfthaler-Schwarz. Und so braucht sich der LoLa um den Nachwuchs keine Sorgen zu machen. Die nächste Generation an ehrenamtlichen Helfern wächst schon heran.

Markus Jäkel


Nr. 4 - März 2001



Gertrud Schöfthaler-Schwarz



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