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Neu und dringend: Das Jahresgespräch mit Ehrenamtlichen

Unterstützung mit System

Wer in der Kirche im Besuchsdienst mitmacht oder sich in der Jugendarbeit engagiert, hat häufig keinen hauptamtlichen Ansprechpartner. "Wie kann ich Unterstützung kriegen?" oder "Wie kann ich meine Tätigkeit verbessern?" sind Fragen, mit denen Engagierte häufig allein bleiben. Es fehlt an Begleitung. Damit sich das ändert, gibt es nun einen Leitfaden für das erfolgreiche Abhalten von Jahresgesprächen mit Ehrenamtlichen.

Ulrike F. engagiert sich leidenschaftlich und ehrenamtlich für die Erwachsenenbildung. Genauer: Sie hat den Job jahrelang in ihrer Gemeinde gemacht und ihn dann dem Pfarrer vor die Füße geworfen. Frust, Überarbeitung, keine Unterstützung. Als sie später den Gesprächsleitfaden für das Jahresgespräch sieht, sagt sie: "Wenn ich davon früher gewusst hätte, wäre das bei mir anders gelaufen." Anders gelaufen heißt: Sie hätte mit dem Pfarrer in Ruhe alles besprechen können, was sie in ihrer Arbeit vermisst, was ihr zuviel wird, wo sie sich Änderungen wünscht.

Was für Mitarbeitende in der Wirtschaft schon lange an der Tagesordnung ist, macht neuerdings auch in der Kirche Furore: das Mitarbeiter-Jahresgepräch. Mit dem feinen, aber bedeutenden Unterschied, dass nur Hauptamtliche, also bezahlte MitarbeiterInnen davon profitieren. Wer ehrenamtlich in der Kirche mitarbeitet, darf sich zwischen der Kirchentür oder mal beim Sommerfest äußern - was die ehrenamtliche Arbeit in letzter Zeit erschwert. Oder wo sonst der Schuh drückt. Oder welche Fortbildung interessant wäre. Gewiss, es gibt manche ausführlichen Gespräche zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen. Eher kommen sie aber zufällig zustande und öfter haben sie seelsorgerlichen Charakter. Das systematische, strukturierte Gespräch gibt es nicht.

In diese Lücke sind das Evangelische Münchenprogramm (mit Hans Löhr) und das Evangelische Bildungswerk München (mit der Verfasserin dieses Artikels) eingestiegen. Sie entwickelten einen Gesprächsleitfaden für das Jahresgespräch mit Ehrenamtlichen, der all die Elemente enthält, die für die Förderung und Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit wichtig sind. Das Gute daran ist: Er wurde gemeinsam mit Ehrenamtlichen entworfen.

Die Ziele des Gesprächs


Die ehrenamtliche Arbeit beschreiben und wahrnehmen


Motive und Ziele klären


Eigene Stärken und Fähigkeiten wahrnehmen


Fortbildungen auswählen


Veränderungen und Verbesserungen erkennen und benennen


Notwendige Unterstützung und Förderung absprechen


Klare Vereinbarungen treffen

Nach dem Gespräch, das etwa eine Stunde dauert, wird gemeinsam ein Vereinbarungsbogen ausgefüllt.

Erfahrungen

In München haben vor allem die "Modellgemeinden" des Evangelischen Münchenprogramms (eMp) diesen Leitfaden eingesetzt. Dazu wurden Hauptamtliche und Ehrenamtliche mit Leitungsfunktionen in Trainings geschult. Das Ergebnis: Wer die Gespräche führte, war hochzufrieden. Das Kreuz daran ist: Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakone und Diakonninen haben dafür kaum Zeit. Personalmanagement kommt weder in der Ausbildung noch im Berufsalltag vor. Wer sich aber diese Zeit für Gespräche in den nächsten Jahren nicht gibt, wird bald sehr viel Zeit haben, über das Entschwinden der Ehrenamtlichen zu sinnieren.

Ulrike F. engagiert sich jetzt bei einer Erwachsenenbildungs-Einrichtung außerhalb der Kirche. Wir werden dieser ganz schnell die Unterlagen für das Jahresgespräch mit Ehrenamtlichen zukommen lassen. Oder lieber nicht?

Elfriede Peil


Nr. 3 - Februar 2001





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