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Warum ich in der Kirche mitarbeite (3): Brigitte Thomke aus Schwarzenfeld

Als Pfarrfrau Altenpflegerin

Rund 40 000 hauptamtliche Mitarbeitende sind in den Einrichtungen des Diakonischen Werks in Bayern tätig. Ein großes Einsatzfeld ist dabei die Altenhilfe. In den dortigen Einrichtungen ist es mitunter schwer, gutausgebidldete Fachkräfte mit christlicher nicht immer leicht, gut ausgebildete Fachkräfte mit christlicher Einstellung zu finden. Das heutige Porträt stellt eine Pfarrfrau vor, die erst mit dem Umzug nach Deutschland in die Altenpflege wechselte.

Sie ist sehr offen und man kommt leicht mit ihr ins Gespräch. Sie ist Altenpflegerin im Seniorenheim der Diakonie in Amberg und stammt eigentlich aus Siebenbürgen. Dort wuchs sie auf in der Kirchengemeinde von Petresti (Petersdorf) 60 Kilometer vor Hermannstadt. Ihre Großmutter lockte sie anfangs mit Geld in die Kirche. Später fand sie Spaß in der Jugendarbeit und sang leidenschaftlich im Kirchenchor. Als ein neuer Pfarrer in die 1300 Mitglieder zählende Gemeinde kam, wußte sie, daß sie ihn heiraten würde. Sie wurde Pfarrfrau, bekam zwei Kinder und blieb in der Gemeinde aktiv: "Anfangs kamen die Gemeindeglieder zum Pfarrer durch meine Küche", meint sie augenzwinkernd.

Im Laufe der Jahre schrumpfte die Gemeinde durch Abwanderung nach Deutschland immer mehr zusammen. Auch in der deutschen Schule wurden bald Lehrkräfte gesucht. So unterrichtete sie sechs Jahrte lang in der ersten Klasse. Als die Spielkameraden ihrer Kinder alle weg waren, drängte sie ebenfalls auf Ausreise, was ihrem Mann als Pfarrer sehr schwer fiel. Schließlich zog die Familie 1993 zu Verwandten nach Schwarzenfeld in die Oberpfalz.

Im ersten Jahr schlug sie sich als Fließbandarbeiterin in einer Papierfabrik durch. Über eine Predigt ihres Mannes in Amberg bekam sie Kontakt zum Altenheim der Diakonie. Hier blühte sie wieder auf, auch wenn ihr zunächst die Arbeit mit gebrechlichen und pflegebedürftigen Menschen mitunter schwer fiel. "Neue Bewohner, die aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen wurden, weil sie sich nicht mehr versorgen konnte, brauchen viel Zuwendung", machte sie besorgt. Auch die Begleitung von Sterbenden ließ sie manchmal auch nach ihrer Arbeit nicht los.

Inzwischen kann sie besser damit umzugehen, verarbeitet manches beim Joggen oder beim Fahrrad fahren. Das Gespräch mit den Bewohnern bleibt ihr in der Arbeit immer das Wichtigste. "Man muß zuhören können," ist ihr Credo. Ihre alte Leidenschaft zu Singen hilft ihr, mit altersverwirrten Menschen Anknüpfungspunkte und Kontakt zu finden. Volkslieder, Kinderlieder und in der Weihnachtszeit vor allem Weihnachtslieder finden guten Anklang. Dann tauscht sie sich mit den Bewohnern auch über Glaubensfragen aus.

Neue Aufgabe in der Oberpfalz

Dass der Glaube ihr viel bedeutet, drückt sie auch im "Abendrot" aus, der Zeitschrift des Seniorenheims. Dort legt sie zur Jahreszeit passende Bibelstellen für Heimbewohner, Mitarbeiter und Freunde des Diakonievereins aus. "Das findet Anklang", freut sie sich. Da macht es ihr auch nichts aus, daß sie jedes zweite Wochenende arbeiten muß. Auch spontanen Wechsel von Spät- zu Frühschicht, je nach Bedarf der Einrichtung, nimmt sie auf sich.

Nach sieben Jahren in Deutschland fühlt sich die 47jährige sehr wohl in der Oberpfalz. Ihre Kinder haben einen Job und ihr Mann ist in Seniorenkreisen aktiv und predigt in Gottesdiensten. Gelegentlich noch vermißt sie die größere Geselligkeit unter Nachbarn und Freunden in der alten Heimat. Doch zurück will sie nicht mehr. In der neuen Heimat bringt sie jetzt ihre Fähigkeiten gut zur Geltung.

Albrecht Winter


Nr. 3 - Februar 2001



Brigitte Thomke, Schwarzenfeld



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