Warum ich in der Kirche mitarbeite (1): Burkhard Anschütz aus München
"Die Gemeinde: Meine Heimat, meine Freunde"

Gibt`s den Prototyp des ehrenamtlichen Mitarbeiters in der Kirche? Natürlich nicht, denn dazu sind die 132.666 Ehrenamtler allein im Bereich der Kirchengemeinden dann doch zu viele, zu verschieden, eine kunterbunte Schar von Kirchenvorstehern, Chorsängern, Mitgliedern in Ökumene- und Missionskreisen, Bibelkreisen und Umweltgruppen, Austrägerinnen von Gemeindebriefen, Prädikanten und Lektoren und und und ... - Nehmen wir hier einen, der bestimmt kein durchschnittlicher Ehrenamtler ist - siehe oben -, der aber für die Vielfalt des ehrenamtlichen Tuns und der Möglichkeiten steht.
Nach der prägendsten Szene in seinem ehrenamtlichen Dasein für Gemeinde und Kirche gefragt, muss Franz-Burkhard Anschütz nicht lange überlegen. Es war vor sechs Jahren, da hat er eine junge Frau, die nicht weit von ihm im Gottesdienst saß, gefragt, ob sie nicht Lust hätte, im Kirchenchor mitzusingen. Er war mit diesem seinen Anliegen zwar nicht erfolgreich, obwohl die Dame ganz gut bei Stimme ist, wohl aber zeitigte sein mutiges Ansprechen im geschützten Raum der Kirche eine viel fundamentalere Folge: Er heiratete bald darauf seine neue Bekanntschaft, und heute ist daraus eine vierköpfige Familie geworden!
Der "Vorfall" steht sehr beispielhaft dafür, dass ehrenamtliche Tätigkeit in der Kirche auch dieses bedeutet: Kontakt, Bekanntschaft und Wirken in einem kirchlich-sozialen Umfeld, in dem man sich - natürlich - wohl fühlt und zu Hause ist.
Franz-Burkhard Anschütz, geborener (und kirchlich sozialisierter) Oberfranke, hat mit Beginn des Studiums seine Wurzeln in München geschlagen; heute ist der 31-jährige Elektroingenieur im Süden der Großstadt zu Hause. Seine sozialen Beziehungen rühren her: aus der evangelischen Studentengemeinde, aus dem Kreis der grob geschätzt ein- bis zweihundert ehrenamtlichen Mitarbeitern in seiner knapp 7Ô000 Seelen zählenden Großstadt-Kirchengemeinde St. Andreas.
Auf den Stationen, die Anschütz im Laufe seines bisherigen ehrenamtlichen Daseins durchlaufen hat, hat er wohl die meisten aus diesem inneren Kreis der Rührigen kennen gelernt: Anschütz singt im Kirchenchor, war im "Hauskreis Junger Erwachsener" mit dem schönen Namen Oase dabei, ist "Krabbelgruppenleiter" - als Mann ist man da eine ziemlich exotische Erscheinung, verkauft schon mal - in Erinnerung an seine ESG-Zeiten - fair gehandelte Produkte nach dem Gottesdienst, war für ein Jahr im "Besuchsdienst" tätig (das heißt: besuchte neu zugezogene Gemeindemitglieder). In der zu Ende gehenden Amtsperiode gehörte er dem so genannten erweiterten Kirchenvorstand an, wo er sich vor allem in den Bereichen Gottesdienst, Öffentlichkeitsarbeit und Erwachsenenbildung, Kirchenmusik engagierte; und nun ist er ordentlich gewähltes Mitglied der Gemeindeleitung und freut sich auf spannende sechs Jahre "Kirchengemeindepolitik".
Warum macht ein Mann, der am Anfang eines Berufslebens und mitten in der "Familien-Gründungsphase" steht, was beides gewiss viel Kraft und Zeit erfordert, so etwas "nebenher"? Freundschaften und Bekanntschaften, nun ja, das ist das eine. Zuallererst aber geht es ihm um etwas, das mit Worten zu beschreiben ihm schwer fällt: etwas "Sinnvolles" tun; etwas "aus Überzeugung" tun. Nicht dass Anschütz etwas Missionarisches an sich hätte; aber er hat den Anspruch, etwa wenn er Dritte-Welt-Produkte verkauft, "dass ich in der Gesellschaft, in der ich lebe, etwas bewirke." Und das ist für ihn mehr als nur Gesellschaftspolitik. Er will "ein Zeichen setzen, dass man seinen Glauben engagiert lebt".
Eltern-Kind-Gruppen - ideales Terrain für ehrenamtliches Engagement
Als gutes Beispiel, in dem alle seine Motive für ehrenamtliche Mitarbeit zusammemkommen, nennt Anschütz die "Krabbelgruppen-Arbeit" für junge Familien oder - wie sie oft auch genannt werden - Eltern-Kind-Gruppen. Da lernt man neue Leute kennen. Da öffnet sich gerade in der Großstadt Kirche für Menschen, die sonst keinen Zugang zur Kirche hätten. Da erfüllt Kirche auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe auf kommunaler Ebene. Und da setzt Kirche bei einem Familien-Gottesdienst ein Zeichen des Glaubens.
Abschlussbemerkung des "Ehrenamtlers" Burkhard Anschütz: Diese Familienarbeit auf Gemeindeebene wäre ohne ehrenamtlichen Einsatz nicht möglich.
Lutz Taubert