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Der Marktplatz der Landeskirche im Internet soll vor allem Ehrenamtliche ansprechen

Auch digital: "Evangelisch - wir sind so frei"

"Wie kommt es, dass ich in meinem Bekanntenkreis immer wieder die Erfahrung mache, dass aus engagiertesten ehrenamtlichen Mitarbeitern, ob in der Jugendarbeit oder im Mutter-Kind-Kreis, regelrechte Kirchenfeinde werden, die aus der Kirche austreten? Die Gründe, die von diesen Menschen zwischen 25 und 35 angeführt werden, liegen stets in den Erfahrungen mit kirchlichen Strukturen: machthungrige oder unglaubwürdige Hauptamtliche, fürchterliche Pannen bei einem Gemeindewechsel, Konflikte, Gleichgültigkeit - 'ist eigentlich egal, ob du fortbleibst oder nicht'."

"Johannes" hat sich im Forum "Das Leben bereichern", in dem es um Themen rund um den Komplex "Heimat Kirche" geht, Luft gemacht und sich seine Frustration von der Seele geschrieben. So zeigt sich Kirche konkret auf den Internetseiten des neuen Marktplatzes der Landeskirche im Internet.

Die "Kommunikationsinitiative" der Landeskirche hat diesen "Marktplatz" im Internet eingerichtet, um kirchlichen Mitarbeitern eine Plattform zum wechselseitigen Austausch zu bieten und gleichzeitig die Vielfalt evangelisch-kirchlichen Lebens in Bayern zu dokumentieren. In sechs Foren unter den Stichworten "Die Sinne beleben" (Glaube und Spiritualität), "Die Zuversicht stärken" (Seelsorge), "Für die Menschlichkeit eintreten" (Helfendes Handeln / Diakonie), "Den Geist beflügeln" (Bildung), "Das Leben bereichern" (Heimat Kirche) und zum "Marktplatz" selbst, finden seither intensive digitale Gespräche unter ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern statt. Die Aufteilung soll zentrale Kompetenzen und Handlungsfelder der Kirche abbilden.

Besonders diskutiert wurde bislang vor allem die geringe Wahlbeteiligung bei den Kirchenvorstandswahlen. So schlägt "JP Hanstein" zur Steigerung der Wahlbeteiligung im Forum "Das Leben bereichern" vor: "Mut zur attraktiven Kandidatenauswahl. Manchmal habe ich das Gefühl, Pfarrer fürchten sich vor fähigen und örtlich anerkannten sowie bekannten Kandidaten und ziehen den verrenteten Hausfrauenstand vor..."

Kirche und der freie Markt

Ein weiterer Diskutant hat gute Erfahrung mit einem Werbedia im örtlichen Kino zur Kirchenvorstandswahl gemacht, ein anderer warnt vor hektischem Aktionismus und betont, wie wichtig eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenvorstands sei.

Weitere Schwerpunkte der Gespräche auf dem Marktplatz sind die Kommunikationsinitiative selbst oder der Streit, ob sich die Kirche zu einem "Trittbrettfahrer der Betriebswirtschaftlehre und des freien Marktes" entwickle. So schreibt der Pfarrer Gerhard Prell, einer der eifrigsten Diskutanten: "Ich bin es leid, dass die "episkope", das geschwisterliche Draufschauen im Sinn der achtsamen und achtenden Wahrnehmung von Charismen, zu einem "Überwachen", "controlling" und "coaching" verkommen soll, das immer nur noch mehr Leistung aus mir herausholen soll."

Zu guter Letzt aber dies: "Auch Paulus hat sich schon auf Marktplätzen herumgetrieben, um Menschen zu erreichen mit der guten Nachricht von einem menschenfreundlichen Gott. Ich finde es ausgezeichnet, dass sich Kirche so auf dem Internet-Marktplatz zeigt. Meine Gratulation an die Macher!", schreibt Hartmut S.


Markus Springer


Marktplatz im Internet:
http://www.bayern-evangelisch.de/marktplatz


Nr. 1 - Dezember 2000



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