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Interview mit Christel Balser, Sprecherin des Fachbeirats Ehrenamt

Nicht Bittsteller, sondern Mitarbeitende mit Rechten

Christel Balser, Sprecherin des Fachbeirats Ehrenamt in der bayerischen Landeskirche und Mitglied der Landessynode, hat maßgeblich am kirchlichen "Ehrenamtsgesetz" mitgewirkt.

   Was ändert sich konkret durch dieses Gesetz?

Balser: Zum ersten Mal bekommen die vielen Menschen, die sich in der Kirche engagieren, feste und Rahmenbedingungen für ihre Arbeit. Dazu gehören beispielsweise verbindliche Regelungen für die Erstattung der anfallenden Kosten, das Recht auf notwendige Fortbildungen und vertragliche Vereinbarungen einer "Mitarbeit auf Zeit". Diese Festschreibungen sind längst überfällig, zumal die Landessynode bereits 1993 Leitlinien zum Ehrenamt verabschiedet hat.

   Hat dieses Gesetz über derartigte konkrete Festschreibungen hinaus auch grundlegende Auswirkungen für das Verhältnis von "Hauptamtlichen" und "Ehrenamtlichen"?

Balser: Das Gesetz kann den Weg zu einer geschwisterlichen Kirche ebnen. Die Ehrenamtlichen sind keine Bittsteller mehr, sondern haben es nun schwarz auf weiß, welche Rechte sie haben, aber auch welche Pflichten. In diesem Gesetz wird auch formuliert, dass jeder der vielfältigen Dienste in und für Kirche gleichwertig und gleichrangig ist. Mit dieser Beschreibung wird das Grundverständnis unserer Kirche deutlich, die in ihrem Selbstverständnis ja schließlich auf dem "Priestertum aller Gläubigen" fußt.

   Müssen sich im Zuge des neuen Gesetzes auch die "Hauptamtlichen" ändern?

Balser: Die Hauptamtlichen, insbesondere die Pfarrerinnen und Pfarrer müssen teamfähig sein, müssen lernen, Arbeit sinnvoll an ehrenamtlich Mitarbeitende zu delegieren, die ja häufig durch Beruf oder Lebenserfahrung ganz besondere Fähigkeiten haben. Diese neuen Anforderungen an partnerschaftlichem Umgang mit den Ehrenamtlichen müssten dann auch verbindlich in die Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer aufgenommen werden.

   Seit vielen Jahren arbeiteten und arbeiten Sie in den verschiedensten kirchlichen Bereichen der Kirche mit - im Kindergottesdienst, als Kirchenvorsteherin, als Prädikantin und auch als Landessynodale. Würden Sie nach Ihren vielfältigen Erfahrungen noch zum Ehrenamt in der Kirche raten?

Balser: Im Rahmen des neuen Gesetzes kann ich sogar wieder mit gutem Gewissen zum Ehrenamt raten. Das Engagement in der Kirche führt zu neuen Erkenntnissen und Erfahrungen, die sich so nicht im persönlichen Bereich oder im Beruf machen lassen.
Eine sinnvolle Tätigkeit auf Zeit erweitert den Horizont und führt zu intensiven Kontakten mit anderen Menschen.


Interview: Achim Schmid


Nr. 1 - Dezember 2000



mit Christel Balser

Das Stichwort
Fachbeirat Ehrenamt

Jeweils für drei Jahre nehmen sich zwölf Frauen und Männer, die aus verschiedenen kirchlichen Bereichen stammen, ganz besonders des Themas Ehrenamt an. Ernannt werden die Mitglieder des Beirats von Landessynodalausschuss und Landeskirchenrat. In diesem Gremium, das aus den verschiedensten Bereichen großen Sachverstand repräsentiert, sitzen zwei Synodale, ein Dekan, Vertreter aus Kirchenvorständen und einzelnen Werken und Diensten. In der letzten Amtsperiode hat sich der Beirat vor allem mit grundsätzlichen Fragen des Ehrenamts befasst, die Qualifizierungs-Möglichkeiten für Ehrenamtliche vorangetrieben und andere kirchliche Gremien beraten.





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