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Warum ich mich in der Kirche engagiere: Gabi Großmann in Bürglein ist Gastwirtin und Organistin

»Durch die Musik ist die Alltagslast wie weggeblasen«

2500 Kirchenmusiker, davon 117 hauptamtlich angestellt, sorgen in Bayern für die musikalische Ausgestaltung der evangelischen Gottesdienste. Die große Mehrheit versieht nebenamtlich, gegen ein bescheidenes Honorar, diesen wichtigen Dienst. Viel Übung ist nötig, um die Orgel, die Königin der Instrumente, sachkundig mit Händen und Füßen spielen zu können. Wie sich der Dienst einer Dorforganistin gestaltet, ließen wir uns im fränkischen Bürglein bei Heilsbronn von Gabi Großmann berichten.

Gabi Großmann an der Orgel

  Eine von 2500 Kirchenmusikern und -musikerinnen: Gabi Großmann an der Orgel.

Foto: Winter

Ein schmuckes Fachwerkhaus an der Hauptstraße, das ist Gabi Großmanns Geburtshaus. Hier wohnt die 45-Jährige noch immer, hat inzwischen von den Eltern die Gastwirtschaft übernommen. Ist Mutter von vier Töchtern. Nur ein paar Minuten sind es hinüber zur Kirche, wo sie jetzt schon seit über 20 Jahren auf der Orgelbank ihren Dienst tut. Eigentlich müsste sie sich zerteilen, meint sie, wenn sie in der Kirche zu einer Feier aufspielen soll, aber gleichzeitig daheim alles für die Gäste vorbereitet werden muss. Gastwirtin und zugleich Organistin zu sein, das wird ihr manchmal fast zu viel.

»Ich möchte Klavierspielen lernen«

Schon als Kind sang Gabi Großmann gern, lernte das Flöte spielen, begeisterte sich, wenn ein Verwandter seinem Schifferklavier fröhliche Töne entlockte. Sie kannte eine Dame, die Klavierunterricht erteilte. Plötzlich war der Wunsch da: Ich möchte Klavierspielen lernen. Sie gab keine Ruhe, bis ihr Vater, der Dorfgastwirt, ein gebrauchtes Klavier für sie kaufte. Und weil ihre Klavierlehrerin auch als Organistin wirkte, war für das Mädchen der Schritt zur Orgel nicht mehr weit. Ohne Pedal spielte sie schon mal einen Choral. Und sie begleitete auch den Flötenkreis an der Orgel.

Da geschah es, dass die Dorforganistin kündigte. In dieser Notsituation bekniete sie der Pfarrer, sie solle doch deren Dienst übernehmen, denn weit und breit fand sich keine andere geeignete Person. »Wir zwei schaffen das«, ermutigte er sie, und Gabi Großmann ließ sich überreden. Der Pfarrer ließ fortan nur einfache Lieder singen, die die neue Organistin bewältigen konnte. »Ich musste viel üben, um das zu schaffen«, erinnert sie sich. Damals im Jahr 1980 kam gerade ihre zweite Tochter zur Welt. »Ich nahm sie im Tragekorb mit in die Kirche, stellte sie neben die Orgel und übte, übte, übte...«

Durch fleißiges Training und Orgelunterricht beim Windsbacher Bezirkskantor ging es immer besser. Und es machte ihr Spaß, immer schwierigere Orgelwerke einzustudieren. »Am meisten liebe ich Bachpräludien«, sagt sie.

1989 legte sie die D-Prüfung bei Kantor Emanuel Vogt ab, dessen einfache Kompositionen und Vorspiele für Dorforganisten sie noch immer gern benutzt. Die Musik gibt ihr viel. »Es ist ein Ausgleich zu meiner sonstigen Tätigkeit«, sagt sie. »Wenn ich an der Orgel sitze, ist die alltägliche Last wie weggeblasen.«

Der aktiven Gemeindemitarbeiterin, die auch im Kirchenvorstand sitzt, ist die Verkündigung des Gotteswortes, auch mit Hilfe der Musik, sehr wichtig. Sie versucht, durch die Auswahl der Musikstücke und passende Registrierung der Choräle die Inhalte zu verdeutlichen. Aber dann denkt sie manchmal, diese Mühe wird von der Gemeinde kaum honoriert, viele Gottesdienstbesucher nehmen das Orgelspiel als selbstverständlich hin. Und sie sind noch immer mit der alten Agendenform von 1854 zufrieden.

Männer und Frauen - kirchenmusikalisch betrachtet

Doch Pfarrer Karl-Gottfried Hupfer, seit sechs Jahren in Bürglein tätig, hat jetzt auch neue Formen wie Familien- und Sakramentsgottesdienste eingeführt und lässt gelegentlich neue Lieder singen.

»Die Frauen sind da aufgeschlossener als die Männer«, hat Gabi Großmann beobachtet. Wenn die Männer ein Lied nicht kennen, klappen sie einfach das Gesangbuch zu und verstummen.

An den Feiertagen schart die Organistin sangeskundige Gemeindemitglieder um sich, um mit Chorgesang den Gottesdienst mitzugestalten. Einen ständigen Chor gibt es nicht. Aber der Posaunenchor ist immer zur Stelle, wenn im Dorf gefeiert wird. Mittendrin spielt Tochter Melanie, die die Zugposaune bestens beherrscht. Sie hat inzwischen die Kirchenmusik als Beruf gewählt und in Bayreuth an der Kirchenmusikschule die C-Prüfung abgelegt. Sie will noch bis zum B-Abschluss weitermachen und strebt dann eine Schulmusik-oder Kantorenstelle an.

Manche musikalischen Initiativen gehen in Bürglein von der Gastwirtsfamilie aus. Die Großmanns sind ein Beispiel dafür, wie durch freiwilligen Einsatz die Kirchenmusik auch in einfachen ländlichen Verhältnissen blüht und gedeiht. »Ohne Gabi Großmann wäre die Kirchenmusik in Bürglein undenkbar«, urteilt Bezirkskantor Helmut Duffe.

Helmut Winter


Nr. 5 - Mai 2003




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