In der Finanzkrise kann die Kirche zeigen, was sie unter Solidarität versteht
Wenn zwei das Gleiche tun ...
Gehaltsverzicht statt Stellenabbau: Mit dieser Richtschnur würde der Erlanger Wirtschaftspolitologe Werner Lachmann auf die Finanzkrise der bayerischen Landeskirche reagieren. Ein Kommentar aus »idea«, dem Informationsdienst der Evangelischen Allianz.
Erinnern wir uns noch? Im Bergbau werden Arbeitsplätze abgebaut, die Sozialpfarrer der Kirche protestieren. Stahlarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze, die Kirchen erklären sich durch ihre Proteste solidarisch. Im »Gemeinsamen Wort« der beiden großen Kirchen von 1997 wird bemängelt, »dass die Wettbewerbsfähigkeit auf Kosten der sozialen Sicherheit gestärkt« werde.
Nun dies: Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern sieht sich gezwungen, in den nächsten drei Jahren von 18000 Stellen zirka 1200 einzusparen. Ein Widerspruch? Wo bleibt jetzt die Solidarität innerhalb der Kirche? Oder wird auch die Kirche wie ein wirtschaftlicher Betrieb geführt?
Das wäre Solidarität!
Die sichtbare Kirche (ecclesia visibilis) unterliegt - wie die Wirtschaft! - dem Problem der Knappheit der Mittel und muss mit ihren Finanzen haushalten. Der Haushalter (Ökonom) hat verantwortlich mit den vorhandenen Mitteln umzugehen. Daher gelten auch für Kirchen die ökonomischen Gesetze. Ließe sich der Stellenabbau vermeiden? Ein (freiwilliger?) Lohnverzicht von sechs Prozent würde den Stellenabbau vermeiden helfen. Das wäre »gebende« Solidarität - im Gegensatz zu der einfachen »fordernden« Solidarität (Her mit deinem Geld!) gegenüber den anderen. Dies wäre ein Schritt von der Sozialromantik zu einer echten Solidarität!
Es überrascht, dass die Gewerkschaft ver.di als Apostel der Solidarität zarte Versuche einer solchen praktischen Solidarität bekämpft und kirchliche Institutionen unter die Knebel des BAT zwingen will. Eine Verschiebung der Lohnerhöhung zum Schutz von Arbeitsplätzen wird abgelehnt - lieber zieht ver.di Arbeitslosigkeit vor.
Für die Arbeitslosen wird dann wieder der Staat verantwortlich gemacht. Man kann nur hoffen, dass die Kirche sich gegenüber dem unsolidarischen Verhalten von ver.di verwahrt. Zu Beginn des Wirtschaftswunders haben sich die Gewerkschaften verantwortlich verhalten. Was ver.di aber heute vorführt, ist Profilsucht und Unverantwortlichkeit schlechthin! Gleichzeitig muss natürlich überprüft werden, ob nicht einige Stellen gestrichen werden müssen.
Das ökonomische Problem der Kirchen liegt aber noch tiefer. Es gibt in vielen Bereichen keine Leistungsanreize. Wer schon Jahre nicht mehr den Gottesdienst besucht, wird in der Regel von seinem Pfarrer nicht besucht, denn der hat ja nichts davon. Ob der Pastor seinen geistlichen Aufgaben gerecht wird, spielt für Gehalt und Weiterkommen keine Rolle. Es gibt keine Sanktionen - außer Kirchenaustritt, was ihn aber nicht direkt betrifft.
Pfarrergehälter aus Spenden?
Leistungsanreize für Theologen werden das wirtschaftliche Problem der Kirchen überwinden helfen. Man könnte für die Gehälter von Pfarrern und anderen kirchlichen Mitarbeitern Spenden erbitten. Dann müssten sie sich um die Spender bemühen. Ein Teil des Gehaltes könnte dann aus Spendenmitteln finanziert werden. So könnte die Kirche den besserbezahlten Beschäftigten (Pfarrern?) eine größere Gehaltsabsenkung zumuten (praktische Solidarität) und in den Gemeinden um Spenden für das Gehalt der Pfarrer bitten, mit denen die Kürzung des Gehaltes ausgeglichen werden kann. Dies würde der »Versorgung der Gemeinde« und den Finanzen gut tun und einen solidarischen Leistungsanreiz ermöglichen.
Werner Lachmann
(Der Autor, Professor Werner Lachmann, ist Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Entwicklungspolitik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)