Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die UNO hat ihnen ein ganzes Jahr gewidmet und nennt sie Freiwillige. Unter Christen spricht man lieber von den "ehrenamtlich Tätigen". Die Zahlen sind allgemein bekannt: Jeder und jede Dritte in Deutschland ist ehrenamtlich engagiert. So viele wie seit je - der Drang zum Ehrenamt ist, entgegen Unkenrufen, ungebrochen.
Neu aber ist dies: Wer sich heute in Deutschland engagiert, macht das vor allem, um auch selbst etwas davon zu haben: Spaß, Sinn und Abwechslung in der Freizeit.
Es sind nicht mehr die traditionellen Motive allein - Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft, die uns zum Ehrenamt bringen. Selbstverwirklichung - alter 68er-Begriff - ist daneben auch gefragt.
Ist das schlimm? Ich meine nicht. Mitarbeit in Kirche und Gesellschaft soll befriedigen, soll auch Spaß machen. Ringelnatz hat einst gedichtet: "Willst du froh und glücklich leben, lass kein Ehrenamt dir geben!" Man streiche das Wörtlein "kein" in diesem Reim. Ich möchte wetten, dass es heute genau anders herum ist: Wer sich engagiert, ist vielleicht sogar glücklicher und fröhlicher als andere.
Ihr Lutz Taubert
Stellvertretender Chefredakteur Sonntagsblatt
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