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Evangelische Wochenzeitung für Bayern

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Ausgabe - vom (Datum): 22-01.06.2003


ZEITZEICHEN

Politiker legen ihre Worte bekanntlich nicht immer auf die Goldwaage. Aber, so fragen wir: Ist denn wirklich alles Gold, was ihren Mund verlässt? »Sie Übelkrähe!« (zum Abgeordneten Jürgen Wohlrabe), »Sie wissen gar nichts!« (zum Fernsehreporter Ernst-Dieter Lueg), »Der Gnom ist los« (über Sozialminister Norbert Blüm) und »Der Kanzler badet gerne lau« (über seinen Partei«freund« Willy Brandt) - Herbert Wehner, von dem die Zitate stammen, sprach kräftig und verletzend.

Nun aber sei die Rede von einem Polit-Profi unserer Tage, dessen Worte wir, anders als die Wehners, nun doch auf die Goldwaage legen wollen. Jürgen Rollmann, Pressesprecher einer mittelgroßen bayerischen Partei in Bayern, bekannte in einer für diese Position angenehm offenen Weise, er erlebe in seiner Tätigkeit aus nächster Nähe mit, wie Politiker unter wechselseitigen Herabsetzungen leiden. »Der Druck von allen Seiten ist enorm, die Erwartungshaltung hoch, Enttäuschungen und persönliche Verletzungen sind vorprogrammiert.«

Rollmann will es besser machen, und vielleicht erhält er eine Chance, denn er kandidiert für den Landtag. Und um Deiche gegen die Flut der persönlichen Verunglimpfungen zu bauen, hat er jetzt mit Brief an das Landtagspräsidium vorgeschlagen, einen Andachtsraum im bayerischen Parlament nach Bundestags-Vorbild einzurichten. »Ein kleiner Gottesdienst vor jeder Plenarsitzung könnte ein Zeichen setzen, könnte sensibilisieren, könnte auf Matthäus 7, 1-5 aufmerksam machen: Verurteilt nicht andere, damit Gott Euch nicht verurteilt ... Warum kümmerst du dich um den Splitter im Auge deines Bruders und bemerkst nicht den Balken in deinem eigenen."« Ja Kruzäfix, das müsste doch hinzubekommen sein!

brt/sob


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