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Evangelische Wochenzeitung für Bayern

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Ausgabe - vom (Datum): 14-06.04.2003


Sagen Sie mal, Naaman,...

 ... Sie haben sich ja wahnsinnig gesträubt, in den Jordan zu steigen. Das Rumzicken hätten Sie sich ersparen können.

Naaman: Im Nachhinein ist man immer schlauer. Vorher war es so: Ich wollte die medizinische Kunst des Propheten Elischa kennen lernen. Ich hatte Aussatz - eine wahrlich eklige Krankheit.

 Zumal für einen syrischen Heerführer.

Naaman: Ja. Meine Soldaten sahen mich schon so seltsam an. Wahrscheinlich dachten Sie: »Der macht es nicht mehr lange« und haben schon ausgelost, wer mein Nachfolger werden soll.

 Soweit kam es ja nicht. Denn Sie wurden geheilt.

Naaman: In der Tat. Ich staune immer noch. Viel hatte ich mir von dem heilkräftigen Propheten erwartet. Dass er mich mit allerlei Salben einreibt, die er nach den geheimsten Rezepten angerührt hat. Dass er mich in einen kerzenerleuchteten Raum führt und meine Haut mit Tinkturen benetzt. Dass er feierliche Gebete mit magischer Kraft über mir spricht. Die ganze Palette der damaligen gelehrten Heilkunst halt.

 Nichts von alledem trat ein?

Naaman: Nichts. Ich fuhr mit meinem prächtigen Pferdewagen vor - ein Anblick, der die Leute auf den Straßen reihenweise vor Achtung erblassen ließ. Und dieser Elischa kommt noch nicht mal aus seinem Haus raus, um mich zu begrüßen! Statt dessen schickt er mir Diener und lässt mir befehlen, in den Jordan zu steigen und siebenmal unterzutauchen.

 Das hört sich nach sanfter Medizin an.

Naaman: Mir war´s jedenfalls erst zu sanft. In meiner Position irgendwelchen Quacksalbern zu vertrauen konnte ich mir nicht leisten. Ich wollte die herkömmlichen Heilmethoden und hätte sie auch bezahlt. Wutentbrannt fuhr ich zurück.

 Sie waren gar nicht im Jordan?

Naaman: Doch. Meine Diener überzeugten mich, dass ich schließlich nichts zu verlieren hätte. Ich ließ mich überreden. Hohes Schilf schützte mich vor den Blicken neugieriger Gaffer. Ich legte meine Rüstung ab. Stieg ins Wasser. Und tauchte unter. Je öfter ich es tat, desto befreiender empfand ich es. Nach dem siebten Mal watete ich ans Ufer. Und traute meinen Augen nicht: Die dunkelroten Stellen auf meiner Haut waren heller geworden.

 Sag ich doch: Sanfte Medizin kann Wunder tun.

Naaman: Unglaublich. Aber wahr. Nach ein paar Tagen hörte der Juckreiz auf. Ich war gesund. Durch ganz normales Wasser.

 Wer heilt, hat Recht, pflegt man in solchen Momenten zu sagen. Ein Spruch übrigens, der nicht in der Bibel steht.

Naaman: Zwischen den Zeilen schon. Zum Beispiel in meiner Geschichte.

 Stimmt auffallend. Kam der Aussatz nie wieder zurück?

Naaman: Doch, schon. Aber nicht zu mir. Elischa wollte sich nicht bezahlen lassen. Also gab ich einem seiner Diener Kleider und Silber. Dieser Gehasi unterschlug die Sachen. Als Elischa es merkte, gab er ihm meine Krankheit.

 Er schickte ihm sozusagen die Pest an den Hals?

Naaman: Wortwörtlich. Krankheit kann auch Strafe sein...


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