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Evangelische Wochenzeitung für Bayern

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Ausgabe - vom (Datum): 27-07.07.2002


Glaube und Leben

EINBLICKE: Frauen im geistlichen Amt

Mit der Bibel gegen den Zeitgeist

Jedes Jahr lädt der Pfarrerinnen-und Pfarrerverein alle, die vor 25, 50 oder mehr Jahren zum geistlichen Amt unserer Kirche ordiniert worden sind, zu einem Gedächtnisgottesdienst ein. Ich finde dies gut. Ich habe selbst heuer mein 25-jähriges Ordinationsjubiläum und habe mich doppelt gefreut: als Prediger in diesem Gottesdienst und als Jubilar.

Bei der Vorbereitung fielen mir unter meinen Mitjubilaren auch einige Pfarrerinnen auf, die deutlich älter als ich waren. Auch sie feierten ihr 25-Jähriges. Aber es ist ja klar: meine Ordination war 1977, und erst zwei Jahre zuvor war die uneingeschränkte Ordination von Frauen in unserer Landeskirche eingeführt geworden. 1977 wurden dann die ersten Frauenordinationen vollzogen.

Frauenordination? Für viele auch bei uns einst eine umstrittene Sache. Römische Katholiken und Orthodoxe kennen sie nicht. Weihe und weibliches Geschlecht - das ist für sie unvereinbar. Und sie werfen uns nicht selten die Frauenordination als »größtes ökumenisches Hindernis« vor. Sitzen wir also dem modernistischen Zeitgeist auf? Haben die anderen die Bibel auf ihrer Seite? Ganz klar: nein!

Im Neuen Testament gibt es Frauen im Aposteldienst, so etwa Phoebe, das Ehepaar Priska und Aquila sowie das Apostelpaar Andronikos und Junia. Das Christusbekenntnis der Martha steht dem Christusbekenntnis des Petrus nichts nach. Und überhaupt halten wir uns an Galater 3,28: »Es gilt weder Jude noch Grieche, weder Sklave noch Freier, weder Mann noch Frau...«. In der frühen Kirche gab es ein Frauendiakonat, das sich von dem des geweihten Diakons wohl in nichts unterschied.

Erst im 13. Jahrhundert festigte Papst Innozenz III. die Lehre, dass Jesus die Schlüssel des Himmelreichs nur den Aposteln, also nur Männern anvertraut habe. Er untersagte den Äbtissinnen, die Beichte zu hören und zu predigen. Frauenklöster mussten sich jetzt Männer als geistliche Begleiter holen. Ebenso lehrte der große Thomas von Aquin die grundsätzliche Minderwertigkeit der Frau. Fürs Kinderkriegen sei sie gut, aber schon für eine gehobene Unterhaltung sei ein Mann der bessere Gesprächspartner. So verfestigte sich die Geschichte der Abwertung der Frau.

Heute wissen wir, dass die Nichtvereinbarkeit von weiblichem Geschlecht und geistlichem Amt aus dem Zeitgeist kam, nicht die Frauenordination. Es gibt kein biblisch begründetes Argument, Frauen vom geistlichen Amt auszuschließen.

Gott sei Dank, dass deshalb in unserer Kirche die ordinierte »Frau Pfarrerin« ganz selbstverständlich geworden ist! Lange hat es gedauert. Jetzt kommt endlich die Zeit, wo Frauen, die damals zu studieren begannen, vermehrt Leitungsverantwortung übernehmen. Dass es nicht schneller geht, liegt nicht an Landeskirchenrat oder gar am Landesbischof: Auf viele Leitungsstellen, die ausgeschrieben sind, bewerben sich keine Frauen. Es ist deshalb ein wichtiges Ziel der Personalförderung, hier Mut zu machen.

Sagen wir es so, wie die Gemeinden es empfinden, in denen Pfarrerinnen tätig sind: Pfarrerinnen sind eine Bereicherung für unsere Kirche. Durch Pfarrerinnen hat der Heilige Geist unzählig viel Glauben, Hoffnung und Liebe gewirkt. Und - nebenbei bemerkt - bei gehobenen Unterhaltungen erlebe ich Frauen meist als gute, nicht selten als die besseren Gesprächspartner.


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