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Evangelische Wochenzeitung für Bayern

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Ausgabe - vom (Datum): 14-07.04.2002


Medienkolumne

Ciao Leo!

Die Szenerie wirkt wie aus einem Politkrimi von Dieter Wedel mit nicht enden wollenden Folgen:

Ein alter Medienmogul, fast erblindet, kommt in Zahlungsnöte, muss sich einer lebensgefährlichen Herzoperation unterziehen, zeigt Schwäche und vertraut fataler Weise den alerten Jungmanagern im Medien-Dschungel, die in halsbrecherischer Rasanz mit Millionen jonglieren, die ihnen nicht gehören. Er wankt, muss sich für zahlungsunfähig erklären und wird schließlich zum Rückzug aus seinem Lebenswerk gezwungen. Die Politiker, die dem Filmhändler die Füße geleckt haben, solange er ihnen nützlich war, treten verlegen lächelnd in die letzte Reihe und erklären sich für inkompetent. Die Banken, die hätten warnen und kontrollieren sollen, wittern ein neues Geschäft mit frischem Geld aus dem Ausland. Die Journalisten betätigen sich geifernd als Aasgeier und johlen triumphierend den Abgesang für einen Mann, der sie schon deshalb provozierte, weil es so gut wie unmöglich war, ihn vor die Kamera zu bringen oder ein Interview mit ihm zu bekommen.

Leo Kirch soll also zum Rückzug bereit sein. Sat1, Pro7, NTV, die ganze Senderfamilie von KirchMedia soll nun mehrheitlich in den Besitz des amerikanischen Mediengewaltigen Rupert Murdoch und in den des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi übergehen. Die Globalisierung der Medien ist auch in Deutschland angekommen.

Das geflügelte Wort »es kommt nichts Besseres nach« könnte beim Fall des großen Leo Kirch drastisch Wirklichkeit werden. Denn sowohl Murdoch wie Berlusconi sind bekannt dafür, dass sie sich bedeutend weniger für die Qualität des Programms interessieren, als vielmehr für dessen Instrumentalisierung für ihre politischen und ökonomischen Ziele.

Schon heute klagt der OSZE-Beauftragte für die Freiheit der Medien, Freimut Duve, dass es eine nicht zu bewältigende Aufgabe sei, dem Staatschef beispielsweise der Ukraine, die demokratischen Vorteile der Politikdistanz der Medien schmackhaft zu machen, wenn diese gleichzeitig lächelnd nach Italien zeigen, wo der Regierungschef unbehelligt von seinen europäischen Kollegen, die wichtigsten Medien unter seiner Knute hat.

Medien haben die Aufgabe, in seriöser Distanz zu politischen Interessen, die Menschen im Land zu informieren und zu unterhalten. Sie sollen außerdem einen Beitrag zur kulturellen Identität leisten. Ob das mit italienischen Pornos und amerikanischen Seifenopern gewährleistet wird, ist zu bezweifeln.

Und Leo Kirch, der Mann aus dem kleinen fränkischen Fahr am Main, der die Bibel verfilmte und dem man zeitlebens eine Leidenschaft für Filme nachsagte - er wird noch erleben, dass ihn Politiker, Journalisten und nicht zuletzt die Zuschauer vermissen.

Johanna Haberer

Johanna Haberer beobachtet in einer monatlichen Kolumne die Medienlandschaft. Die Autorin, vormalige Chefredakteurin des Sonntagsblattes, hat die Professur für Christliche Publizistik an der Theologischen Fakultät Erlangen inne.


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