Einen ausgesprochen malerischen Winkel am Nordrand des Fränkischen Jura hatte sich das alte Rittergeschlecht der Förtsche ausgesucht, als sie sich in Thurnau niederließen. Mit zwei anderen adeligen Familien, den Freiherren Künßberg und den Reichsgrafen Giech, machten sie die heutige Marktgemeinde zu einem einflussreichen politischen Machtzentrum zwischen dem Hochstift Bamberg und dem Markgraftum Bayreuth. Durch ihren besonderen Status konnten sich die Herren von Thurnau mancherlei Privilegien leisten. Dazu zählte sogar eine eigene evangelische Landeskirche. Prägende Figur in der Zeit zwischen 1696 und 1722 war Dekan Christoph Brendel, der 1704 ein Thurnauer Gesangbuch herausgab und eine Thurnauer Kirchenordnung schuf.
Nach dem Anschluss an das Königreich Bayern im Jahr 1810 schrumpfte die einstige Landeskirche auf der neuen evangelischen Landkarte zum - allerdings nur optisch - unscheinbaren Dekanat. Heute gehören dazu rund 10.200 Mitglieder in 14 Kirchengemeinden, die sich ihrer Tradition durchaus bewusst sind, wie Dekan Hans Hager weiß. "Die Qualität eines Dekanats hängt nicht unbedingt von seiner Größe ab." Die Pfarrerinnen und Pfarrer seien fest eingebunden in den Alltag der vielerorts noch dörflich strukturierten Gemeinden und sie fühlen sich dort offensichtlich wohl: Alle Pfarrstellen sind derzeit besetzt.
Für "Kultur-Touristen" öffnet sich im Thurnauer Land ein wahres Schatzkästlein. Zu verdanken haben sie es in erster Linie den schon erwähnten Herrscher-Dynastien, die ihre Residenz im Laufe der Generationen zu einer imposanten Schlossanlage ausbauten. Hinter den alten Mauern ist 1977 das Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth eingezogen.
Die Allianz von tiefer evangelischer Frömmigkeit und herrschaftlicher Repräsentationslust sorgte mit der Thurnauer Pfarrkirche St..Laurentius (errichtet zwischen 1701 und 1706) für einen "Höhepunkt spätbarocker Kirchenbaukunst". Das wohl prächtigste Schmuckstück ist die reich verzierte doppelstöckige Hofloge für die Herrscherfamilien Giech und Künßberg, die sich zudem eine Brückenverbindung hoch über der Straße vom Schloß zur Kirche bauen ließen: Diese architektonische Rarität ist heute ein Wahrzeichen der Stadt.
Über die regionalen Grenzen hinaus berühmt geworden ist Thurnau indes weder durch seine Herrscher und seine Kirchen, sondern durch "Ton-Künstler" einer ganz besonderen Art: Seit Jahrhunderten wird hier das Töpferhandwerk nach alter Tradition gepflegt. Dem irdenen Geschirr, mit den Händen aus dem typischen dunkelgrauen Ton geformt, glasiert und im 1.000 Grad Celsius heißen Ofen gebrannt, verdankte die Marktgemeinde seit dem 14. Jahrhundert einen großen Teil ihres wirtschaftlichen Wohlstands. Die vier jährlichen Töpfermärkte sind längst zu Besuchermagneten geworden, und das 1982 in der alten Lateinschule eingerichtete Töpfermuseum dokumentiert mit zahlreichen Ausstellungsstücken und einer original eingerichteten Werkstatt die Geschichte und Gegenwart dieser immer noch lebendigen Kunst.
Stichwort Brauchtum: Im Schatten der Kirche von Limmersdorf, die sich unter anderem durch farbenfrohe Malereien im Stil des "Bauernbarock" auszeichnet, wird alljährlich im August die 300 Jahre alte Tanzlinde zum Mittelpunkt: Hohe Sandsteinpfeiler tragen den Tanzboden hoch in der Baumkrone, und sogar die Dorfmusikanten haben bei der "Linden-Kerwa" ihren Platz mitten zwischen den Blättern.
Natürlich findet auch der aktive Urlauber hier ein breites Angebot an Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Für den Golfsport wurde Thurnau sogar zu einem Vorreiter - der Golfclub Oberfranken legte hier den ersten 18-Loch-Platz im Regierungsbezirk an. Das mag an der noch immer reizvollen und idyllischen Gegend liegen, in der Bayreuths Markgräfin Wilhelmine mit dem Felsengarten Sanspareil um 1745 ein in Europa beispielloses Stück Gartenkunst schuf: Im Hain am Fuß der Burg Zwernitz wandeln heute die Besucher zwischen Kalypsogrotte, Vulkans Höhle und dem "Morgenländischen Bau" in den Fußstapfen der Schwester Friedrichs II. von Preußen. Und im Sommer kehrt auf der Bühne des Ruinentheaters mit Gastspielen der Bayreuther Studiobühne ein Stück fast höfischer Lebenslust zurück, an der heute auch das "bürgerliche" Volk teilhaben darf.
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Interview: Dekan Hans Hager Adressen Touristeninformation
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