Dass ihm eines Tages ein Denkmal aus Bronze gesetzt werden würde, hätte sich Hans Rogler wohl nie träumen lassen. Vor gut 350 Jahren, so haben Heimatforscher herausgefunden, begann der Bauer aus Pilgramsreuth als Erster mit dem "feldmäßigen Kartoffelanbau" auf deutschem Boden - und soll damit so erfolgreich gewesen sein, dass Preußenkönig Friedrich II. im Jahr 1754 den Anbau der "Erdäpfel" in seinem Land anordnete, um Hungersnöte zu bekämpfen. Seit zehn Jahren steht Landwirt Rogler als künstlerische Nachschöpfung auf seinem Sockel vor der Pilgramsreuther Kirche. Mit etwas Fantasie ließe er sich sogar als Sinnbild für die ganze Region im nordöstlichen Winkel Bayerns verstehen: als Symbol für Bodenständigkeit, Beharrlichkeit und Findigkeit der Menschen im Hofer Land, die ihrer Heimat treu bleiben und dort ihre Ideen verwirklichen. Denn auf den ersten Blick erschließt sich der herbe Reiz der Landschaft zwischen Frankenwald und Fichtelgebirge nicht unbedingt. Bis heute ist sie das Image des "bayerisch Sibirien" nicht losgeworden, derweil sie ihr mehr als 40 Jahre währendes Schicksal als Grenzland erstaunlich rasch überwunden hat. "Wir sind ein Dekanat im Wandel", bestätigt auch Rudolf Weiß, der seit 1992 an der Spitze des Hofer Pfarrkapitels steht. Tatsächlich hat die Abwanderung aus der Region deutlich abgenommen, und nicht zuletzt dank der zwei Fachhochschulen und der kürzlich ins Leben gerufenen bayerischen "Virtuellen Universität" mit Sitz in Hof prägen immer mehr junge Leute das Stadtbild. Die "Zeichen des Aufbruchs" (Weiß) seit der deutschen Wiedervereinigung sind unübersehbar. Der bayerischen Landesgartenschau 1994 etwa verdankt die Industrie- und Beamtenstadt viele neue grüne Inseln, auch mitten im Stadtgebiet. Und ein kulturelles Angebot in dieser Vielfalt - vom Dreispartentheater über die bundesweit bekannten "Hofer Filmtage" bis zu experimentellen Kulturreihen - wird man in vielen Städten vergleichbarer Größe wohl vergeblich suchen. Was Dekan Weiß besonders freut: Der Strukturfortschritt einerseits und besonders eine gestiegene Lebensqualität sorgen dafür, dass die Vakanzzeiten in den meisten Kirchengemeinden der Region heute wesentlich kürzer sind als noch vor wenigen Jahren. Ein Stichwort: Der berüchtigte "Katzendreckgestank" im so genannten Dreiländereck (Bayern-Sachsen-Tschechien) ist durch Umweltschutzinvestitionen in den Kraftwerken jenseits der Grenze so gut wie ausgemerzt. Die Natur lässt sich im Hofer Land deshalb - im doppelten Sinn des Wortes - ungetrübt genießen. Fern vom Massentourismus wird eine Wanderung oder Radtour durch die Täler und Wälder zur Entdeckungsreise: So ist beispielsweise das Naherholungsgebiet Wurlitz (in dem Dorf wurde übrigens der Erfinder der weltberühmten Wurlitzer Kino-Orgel geboren) die Heimat von Pflanzenarten, die zum Teil in Süddeutschland einzigartig sind, wie der Serpentinstreifenfarn oder das Alpenleinblatt. Und in einem geschützten Gebiet in der Nähe wird mit staatlicher Förderung die seltene Flussperlmuschel vor dem Aussterben bewahrt. Dass die oft zitierten "volkskirchlichen Strukturen" gerade im Hofer Land nicht die Ausnahme sind, sondern die Regel, liegt an der tiefen Verwurzelung der Reformation bis in die kleinste Dorfgemeinde. Wer sich auf die Spuren sakraler Kunst begibt, findet hinter mancher schlichten Kirchenmauer wahre Kleinode. Nur als Beispiel seien genannt die Pilgramsreuther Kirche, deren reiche gotische Freskenmalerei samt der "großen Einheitlichkeit aus dem Barock um 1700" die Kunsthistoriker entzückt, und die Kirche in Regnitzlosau, deren Kassettendecke in über hundert Bildern das Neue Testament nacherzählt. Auf einen durchaus bemerkenswerten Superlativ musikalischer Art darf schließlich die Hofer evangelische Hauptkirche St..Michaelis stolz sein: Die große Heidenreich-Orgel, elf Jahre nach dem verheerenden Stadtbrand von 1823 in der neuen Kirche errichtet, zählt Fachleuten zufolge zu den klangschönsten in Bayern. Ach ja, ein Denkmal: Ein solches wurde dem wohl populärsten und unverzichtbarsten Markenzeichen der Stadt Hof schon vor Jahren gewidmet. Den "Wärschtlamo" gibt es also sowohl in Bronze als auch leibhaftig in Gestalt zahlreicher Männer, die ihre deftigen heißen Würstchen direkt aus dem Bauchladen heraus verkaufen. Und das Geheimnis des "Schlappenbiers" sollte man am besten beim nächsten Hof-Besuch Ende Juni persönlich lüften...
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Interview: Dekan Rudolf Weiß Adressen Touristeninformation
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