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Dekanat Donauwörth Das bodenständige Dekanat Donauwörth hält manche Überraschung bereit

Gesetzesbrecher und Lieblingspuppen

Christian Gerlinger

Als "Stadt der Käthe-Kruse-Puppen" empfängt Donauwörth den Bahnreisenden, der die Alb durchfahren oder die Donau überquert hat, um hierher zu gelangen. Donauwörths Innenstadt zeigt sich überlastet vom Autoverkehr, aber sonst scheint alles gut aufgeräumt. Für Käthe Kruse gibt es ein Museum. Die Stadtsanierung hat schöne Plätze geschaffen, zum Beispiel auf der Altstadtinsel Ried.

Man merkt es der Stadt nicht an, dass ihre Bürgerschaft mit einem kollektiven Gesetzesverstoß in die Geschichte eingegangen ist. Das ist knapp vierhundert Jahre her. Fast alle in "Schwäbischwerd", diesen Namen trug die Stadt damals, waren in zweiter Generation evangelisch. Doch gab es in der Stadt noch das Kloster Heilig Kreuz, mit dessen Bewohnern sich die Städter hingebungsvoll zankten.

Im Jahr 1606 kam es bei einer Prozession zu einem verhängnisvollen "Kreuz- und Fahnengefecht". Der Kaiser verhängte die Reichsacht über die Stadt und beauftragte den katholischen Bayernherzog mit der Exekution gegen die Stadt. Dieser verbot kurzerhand den lutherischen Glauben, verleibte die Stadt in sein Herzogtum ein und benannte sie in "Donauwörth" um.

Die Hälfte der Bewohner verließ die Stadt. Als Reaktion auf das Strafgericht entstand ein Militärbündnis der protestantischen Fürsten, die katholische Seite zog nach. So entstanden die Machtblöcke, die Deutschland zehn Jahre später in den Dreißigjährigen Krieg führten.

Einige Male kehrte der Krieg hierher zurück. Bei Rain am Lech, im Osten des heutigen Dekanats, wurde 1632 der katholische Feldherr Tilly tödlich verwundet. Und weiter im Norden, am Alerheimer Schlosshügel, fand 1645 eine der blutigsten Schlachten des Krieges statt. Immer wieder hatte die Region unter durchziehenden Truppen zu leiden, in deren Gefolge sich auch die Pest einschlich. In Untermagerbein im Kesseltal überlebte den Krieg nur eine Frau mit ihrem Kind in den Trümmern des Pfarrhauses. Vom Tal hatten Wölfe Besitz ergriffen.

Man sollte Donauwörth nicht verlassen, ohne den damaligen Zankapfel, die Heilig-Kreuz-Kirche, zu besuchen. Hier liegt Maria von Brabant begraben, die auf Befehl ihres Mannes, des Bayernherzogs Ludwig II., im Jahr 1256 enthauptet wurde. Der Herzog hatte irrtümlich angenommen, seine Gemahlin habe ihn betrogen.

Donauwörth ist eine boomende Stadt und sehr verkehrsgünstig gelegen. Der Tourismus wird immer wichtiger, die Stadt ist ein Mekka für Fahrradfahrer, die entlang der Donau oder an der Romantischen Straße unterwegs sind. Fährt man ein Stück donauabwärts, gelangt man durch Auenwälder zum Leitheimer Schloß. Stromaufwärts kommt man zur Mündung der Kessel, deren Tal (heute ohne Wölfe) viele schöne Flecken zu bieten hat.

Die Wörnitz entlang nach Norden, ist die erste Station Ebermergen. Das Dorf war bis 1978 Sitz des Dekans. Die Straße würde den Reisenden nun unter der Harburg hindurchführen. Der Anblick des Märchenschlosses aber mahnt zum Haltzumachen.

Die Burg ist das Wahrzeichen des Dekanats Donauwörth, in der Schlosskirche wurde zum ersten Mal 1524 lutherisch gepredigt. Obwohl der Hausherr der Harburg heute katholisch ist, darf die Schlosskirche nach einem Testament nur die evangelische Gemeinde benutzen. Immer wieder gab es Gerüchte, dass die Burg verkauft werden soll. Anfang September war das Aufatmen groß, als Fürst Oettingen-Wallerstein bekanntgab, dass er die Burg in eine Stiftung überführen will.

Das Städtchen Harburg mit seiner alten Wörnitzbrücke ist einer der idyllischsten Orte im Dekanat. Der gemächliche Fluss hat nördlich von Harburg den Riesrand durchbrochen und fließt jetzt ungehindert der Donau entgegen.

Weiter westlich liegt Mönchsdeggingen am Rand des Rieses. Es bietet nicht nur eine schlichte Dorfkirche und ein barockes Kloster, sondern empfiehlt sich als Aussichtspunkt über das Ries. Fährt man in Hoppingen über die Wörnitzbrücke, durchmisst man auf der alten Römerstraße den Norden des Dekanats mit seinen traditionsreichen evangelischen Kirchdörfern. Eines davon ist Alerheim, in dessen Schloss 1539 mit der "Alerheimer Convention" die Reformation im östlichen Ries eingeführt worden ist.

Klöster, die heute "Knast" sind, stehen am Ende der Rundreise. Die Gefängnisseelsorger im früheren Zisterzienserkloster Kaisheim und dem einstigen Zisterzienerinnenkloster Niederschönenfeld sind dem Donauwörther Dekan zugeordnet. Mit literarischer Prominenz kann Niederschönenfeld aufwarten: In den Jahren nach dem Scheitern der Räterepublik in München saß dort in "Festungshaft" Ernst Toller. Dem Gefängnis setzte er mit seinem "Schwalbenbuch" und den Erinnerungen "Eine Jugend in Deutschland" traurige Denkmäler.


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Interview:
Dekan Reinhard Freund

Adressen Touristeninformation





  Über der Wörnitz ragt malerisch die Burg Harburg auf. Die Schlosskirche darf die evangelische Gemeinde nutzen.
(Foto: Gerlinger)


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