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Dekanatsbezirk Pegnitz Kunsthandwerk und Volksfrömmigkeit im fränkischen Landschaftsparadies

Von Apostelkrügen und Tropfsteinhöhlen

Von Wolfgang Lammel

Was haben Kurfürsten, Planetengötter und Apostel gemeinsam? Die Antwort mag wohl nur denen leicht fallen, die sich mit alter Keramik auskennen: Die wuchtigen, doch überraschend leichten Kurfürsten-, Planeten- und Apostelkrüge zählen zu den weltberühmten Kostbarkeiten aus den Werkstätten der Creußener Hafner und Bossierer. Die Krüge und Flaschen, nach einzigartigem "Rezept" gefertigt aus dem hellgrauen bis rötlichen Ton aus dem Creußener Bürgerwald, zeichneten sich durch eine erstaunliche Beständigkeit gegen Säure, Hitze und Kälte aus. Gut zwei Jahrhunderte lang war die Tonware deshalb besonders bei Apothekern überaus gefragt, bis sie nach 1700 mehr und mehr vom Porzellan abgelöst wurde. Heute gehören Creußener Krüge mit den oft farbenfroh bemalten künstlerischen Relief-Darstellungen zu den Prunkstücken vieler nationaler und internationaler Museen.

Am östlichen Tor zur Fränkischen Schweiz hatte das Städtchen eine Zeit lang auch kirchliches Gewicht. Nach der Gründung des Königreichs Bayern wurde Creußen im Jahr 1817 zum Sitz eines evangelischen Dekanats. Weil aber alle wichtigen Ämter rund 15 Kilometer südlich in Pegnitz angesiedelt waren, wurde 1879 auch die Funktion des Dekans dem dortigen 1. Pfarrer übertragen. Am 20. Dezember des Jahres 1900 wurde die neue Pegnitzer Pfarrkirche St. Bartholomäus eingeweiht, "eine Zierde der Stadt und der ganzen Umgebung", wie die Lokalzeitung berichtete.

Den 100. Geburtstag ihrer Kirche werden die Pegnitzer Evangelischen erst mit Verspätung feiern können: Ende August findet dort der letzte Gottesdienst vor einer Generalsanierung statt, die nach Schätzung von Dekan Gerhard Schoenauer mehr als ein Jahr dauern und rund 2,7 Millionen Mark kosten wird. Das Gemeindeleben, davon ist er überzeugt, wird dadurch nicht leiden. Vielfältig sind die Angebote, außerordentlich rührig die Ehren- und Hauptamtlichen, besonders in der Jugendarbeit, und ausgezeichnet ist auch die ökumenische Zusammenarbeit. Was für die Stadtgemeinde gilt, ist auch auf die zwölf Kirchengemeinden mit ihren rund 17000 Mitgliedern übertragbar, weiß der promovierte Theologe. Den großen Zusammenhalt der Menschen und das lebendige geistliche Umfeld hat er besonders schätzen gelernt: "Ich kann nicht verstehen, weshalb manche Pfarrstellen in Oberfranken keine Bewerber finden können."

Ein unschätzbares Kapital der Region um Pegnitz ist ohne Zweifel die Landschaft: Zwar wird das Dekanat durch die Autobahn A9 in Nord-Süd-Richtung geradezu halbiert, doch abseits der Verkehrsschlagadern findet der Reisende eine Vielzahl von ebenso reizvollen wie beschaulichen Plätzen in der Natur. Der Veldensteiner Forst mit seinem Wildgehege gehört ebenso dazu wie die bizarren Felsformationen bei Pottenstein und Tüchersfeld, die Tropfsteingebilde in der Teufelshöhle oder die zahlreichen Quellen und Brunnen, die lohnende Ziele jeder Rad- oder Wandertour sind.

Mehr als ein Geheimtipp: das Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld, das sich besonders der fränkischen Volksfrömmigkeit und der Geschichte der jüdischen Landgemeinden widmet: Eine originale Synagoge aus dem 18. Jahrhundert ist Teil des Besucherrundgangs. Und die herzliche Gastlichkeit in den Dorfwirtshäusern - oft noch mit selbst gebrautem Bier - muss wohl nicht eigens hervorgehoben werden.

Zu ihrem wertvollsten Kunstschatz kam die Kirchengemeinde Lindenhardt, im Nordwesten des Dekanats, durch ein Unglück und einen glücklichen Zufall. Als im April 1684 das ganze Dorf samt Kirche bei einem Brand eingeäschert wurde, spendeten die Protestanten aus Bindlach bei Bayreuth ihren alten Altar für die neue Kirche. Erst 1926 stellte ein Heimatforscher fest, dass die Bildtafeln auf den Altarflügeln von dem Maler Matthias Grünewald stammten, der in der Zeit der Spätgotik zahlreiche Meisterwerke sakraler Kunst schuf. Mehrere tausend Besucher werden inzwischen jährlich in der Lindenhardter Dorfkirche gezählt. Am 28. Mai ist sie übrigens Ziel einer ökumenischen Wallfahrt zur Feier des Millenniums.

Schon seit 1972 bereichern die "Pegnitzer Sommerkonzerte", gegründet und bis heute geleitet vom Pegnitzer Dekanatskantor Roland Weiss, das kulturelle Angebot in der Urlaubsregion. Die Touristen sollen künftig noch stärker als Zielgruppe wahrgenommen werden: So ist geplant, für die drei Jakobskirchen und -kapellen im Dekanat ein besonderes Programm auszuarbeiten.

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Interview:
Dekan Gerhard Schoenauer

Adressen Touristeninformation





  Pegnitz mit seiner evangelischen Kirche.
(Foto: Fremdenverkehrsamt)


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