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Dekanat Weilheim Im Dekanat Weilheim lassen sich Gottesdienste und Ausflüge verbinden

Kirchen, Berge und Museen

Von Gudrun Rapke und Heinz Brockert

Bei Fön liegen die Berge wie vor der Haustür. An solchen Tagen scheint die Strecke von Starnberg, einem nördlichen Punkt des Dekanates Weilheim, bis nach Mittenwald ganz im Süden fast ein Katzensprung zu sein. Dem ist freilich nicht so - die 15 Gemeinden befinden sich in einem der größten bayerischen Dekanatsbezirke, der etwa 3200 Quadratkilometer mißt. 60.000 Evangelische leben hier im katholischen Kulturland, in dem der erste Protestant erst etwa Mitte des letzten Jahrhunderts zuzog.

Seither verbuchen die Evangelischen Wanderungsgewinne. Während in den Dörfern oft nur ein Prozent der Bevölkerung evangelisch ist, sind es in den Städtenzwischen 15 und 20 Prozent, wie Dekan Eberhard Schmidt sagt.

Im Landkreis Starnberg, dem reichsten in ganz Deutschland, hat es die Kirche mit wohlhabenden, anspruchsvollen und zum Teil prominenten Gemeindegliedern zu tun. So gehört der Fernsehpfarrer Jürgen Fliege zur Gemeinde Tutzing. Dass die Gabenkasse gut gefüllt ist, will Dekan Schmidt nicht bestreiten: "Hier ist manchmal etwas mehr möglich als anderswo." Aber selbst im insgesamt wohlhabenden Dekanat sei der Unterschied zwischen Arm und Reich spürbar.

Zu seinen Aufgaben zählt es Dekan Schmidt, die so unterschiedlich geprägten Gemeinden zusammenzubinden. Zu ihrem Arbeitsbereich zählen nicht nur die in Oberbayern wohnenden Menschen, sondern auch die Urlauber, Kurgäste und die Patienten in einer der vielen Kliniken, zum Beispiel der Rheuma-Klinik der Rummelsberger Anstalten in Garmisch-Partenkirchen oder des Akut-Unfall-Krankenhauses in Murnau. Auch die Sozialarbeit in den Herzogsägmühler Heimen der Diakonie möchte Schmidt in das Dekanatsleben einbezogen wissen.

Begehrt ist das Dekanat Weilheim bei Pfarrern und Kantoren aus ganz Deutschland im Sommer: Hier gibt es eine Reihe von Predigt- und Organistenstellen zu besetzen, die sich gut mit einem Urlaub in schöner Landschaft verbinden lassen. Wer die eine oder andere Kirchengemeinde zum Gottesdienst besuchen will, kann dies gut mit der Bahn tun, denn die Kirchen befinden sich oft in der Nähe des Bahnhofs. Danach winkt ein lohnendes Ausflugsziel!

Von der Starnberger Friedenskirche sind es nur wenige Minuten an den See. Eine Schifffahrt mit einem Boot der Weißen Flotte bietet sich an, um die Schönheit des Voralpen-Sees auszukosten. In Tutzing kann man wieder an Land gehen, die Evangelische Akademie besuchen oder einen Spaziergang zur Ilka-Höhe, dem Treffpunkt von Künstlern und Wanderern hoch über dem See, machen.

Weniger bekannt in ganz Bayern aber ebenso attraktiv sind die Ferienlandschaften um Ammersee und Lech, die sich besonders auf Wanderer und Radler spezialisiert haben. Eine ausgeschilderte Radltour auf den Spuren Heinrich des Löwen oder eine so genannte "Viecherl-Tour" für Familien mit Kindern, die von Bauernhof zu Bauernhof zwischen Ammersee und Lech führt, laden zum Mitmachen ein.

Die Kirchengemeinden in Weilheim, Peißenberg, Peiting-Herzogsägmühle und Schongau können Ausgangspunkt für Unternehmungen im Pfaffenwinkel mit seiner landschaftlichen Vielfalt und Kirchen, Klöstern und Sehenswürdigkeiten aus dem Barock, Rokkoko und der Romanik sein. Höhepunkte sind Besuche der Wies-Kirche nahe Steingaden, der Ammerschlucht nahe Kloster Rottenbuch oder von Schloss Wessobrunn mit der Tassilo-Eiche.

Zum Kur- und Ferienland Garmisch-Partenkirchen gehören die evangelischen Kirchengemeinden Garmisch-Grainau, Partenkirchen, Mittenwald, Oberammergau, Murnau, und am Rande liegt Penzberg, von wo aus sich das Tölzer Land (eigener Dekanatsbezirk) erschließt. Hier ist immer Saison, vom Neujahrs-Skispringen auf der Olympiaschanze in Partenkirchen bis zu Herbstwanderungen am Staffelsee bei Murnau. Der Marktflecken Murnau ist zu allen Jahreszeiten ein lohnendes Ziel, denn hier entwickelte sich zu Beginn des Jahrhunderts die Kunstrichtung des "Blauen Reiter". Das "Gabriele-Münter-Haus" und das so genannte "Russenhaus" in Erinnerung an Wassily Kandinsky legen ein museales Zeugnis ab.

Oberammergau und seine Passionsspiele vom 21. Mai bis 1. Oktober 2000 führen Besucher aus aller Welt in den Holzschnitzer-Ort. Die Passionsspiele, die auf ein Pest-Gelübde aus dem Jahre 1633 zurückgehen, sind ein ökumenisches Groß-Ereignis geworden. Die evangelische Kreuzkirche, einst ein zum Kirchlein umgebauter Stadl und heute ein sehenswertes Gotteshaus, ist Treffpunkt für Protestanten und Anglikaner, die mehr als 50 Prozent der Besucher ausmachen. Die bayerische Landeskirche hält ein besonderes Programm für sie bereit.

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Interview:
Dekan Eberhard Schmidt





  Starnberger See: Blick von Tutzing nach Süden
(Foto: Bouillon)


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