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Dekanat Weiden Heilbäder unter dem schönsten Basaltkegel Europas

Badetempel mit Kräuterdampf

Albrecht Winter

Fühlt sich eine evangelische Gemeinde in einer Kirche wohl, in der es einen Beichtstuhl gibt oder in der ein Volksaltar zusätzlich zum Hochaltar steht? Mit diesen und ähnlichen Fragen muss sich die Kirchengemeinde Vohenstrauss in ihrem Ortsteil Altenstadt auseinandersetzten. Denn dort wird die Kirche gemeinsam von evangelischen und katholischen Christen genutzt. Zwei dieser seltenen sogenannten Simultan-Kirchen gibt es noch im Dekanat Weiden in der Oberpfalz. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges war das Simultaneum 1652 in der nördlichen Oberpfalz eingeführt worden. Simultaneum bedeutet gleichzeitiger und gemeinsamer Besitz von Gotteshäusern und dazugehörigen Liegenschaften. In manchen Gemeinden ging früher das Simultaneum mit oft unangebrachter Parität bis in die Rathäuser und die Amtszeiten von Bürgermeistern.

Das hat über die Jahrhunderte die Protestanten geprägt und dazu geführt, dass man hier bewusst evangelisch lebt und eigenständige Traditionen entwickelt hat. In Kohlberg etwa, das zu rund 40 Prozent evangelisch ist, hat bis heute selbstverständlich jedes Gemeindeglied seinen Stammplatz in der Kirche. In der Reformationszeit feiern die verschiedenen Altersgruppen getrenntes Abendmahl mit Beichte: Am Vormittag des Reformationstages die Jugend, am Nachmittag die Älteren, und die Familien sind am Buß- und Bettag dran. Ausgiebig wird im Dekanat die Gemeinschaft in Posaunen- und Kirchenchören gelebt. In Kohlberg hat seit 1956 der Posaunenchor noch zu jedem Geburtstag und zu jeder Beerdigung aufgespielt.

Auf der anderen Seite waren und sind Christen des Dekanats auch immer politisch engagiert. Sei es in Aktionsbündnissen gegen rechts oder sei es beim Kirchenasyl. Der Ökumenische Arbeitskreis Asyl in Grafenwöhr setzt sich seit 1996 vor allem für Flüchtlinge aus dem afrikanischen Togo ein. So konnte Bewusstsein für Verfolgte geweckt werden, die Lebensbedingungen der Menschen verbessert und auch Anerkennungen von Asyl erreicht werden.

Insgesamt ist das Dekanat eines der größten in Bayern. Es wird im Norden von Waldsassen begrenzt und im Süden von Wernberg. Den westlichen Rand bildet der Truppenübungsplatz Grafenwöhr, der bis heute der größte Europas ist, der östliche Rand liegt im Grenzgebiet zur tschechischen Republik. Die rund 32 000 evangelischen Christen des Dekanats Weiden leben überwiegend in der Diaspora. Die Lage am östlichen Rand Bayerns hat bisweilen dazu geführt, dass sich die Evangelischen in der Landeskirche manchmal etwas übersehen fühlen.

Für Kurzurlauber ist einiges geboten: Da ist zum einen die Basilika von Waldsassen, die als eine der großartigsten Barockkirchen Bayerns gilt. Die 1682 erbaute Kirche beherbergt eine Gruft, die zu den größten in Bayern zählt. Wer in der nördlichen Oberpfalz Erholung und Entspannung sucht, besucht am besten das Sibyllenbad im Oberpfälzer Wald. Im Badetempel kann man bei Kräuterdampf, einer orientalischen Massage oder in dem mit Heilwasser angereicherten orientalischen Badebecken die wohltuende Wirkung auf Körper und Seele erleben. Einen Ausflug wert ist auch der Ort Parkstein mit seinem Basaltkegel. Das kleine Bergmassiv ist aus Lavagestein und entstand vor etwa 23 Millionen Jahren. Wegen seiner herrlichen Lage sprach schon Alexander von Humboldt vom "schönsten Basaltkegel Europas".

Ein Anziehungspunkt, wenn auch ganz anderer Art, ist die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Flossenbürg, die vor allem von Jüngeren besucht wird. Nachweislich wurden dort und in den Außenlagern rund 30 000 Menschen von Nazideutschen umgebracht. Darunter am 9. April 1945 auch Männer aus der Widerstandsgruppe des "20.Juli 1944", die kurz zuvor nach Flossenbürg gebracht worden waren: Dietrich Bonhoeffer, Wilhelm Canaris, Hans Oster und andere. Damit sich Besucher diesem Abschnitt unserer Geschichte zuwenden können, bietet Pfarrer Karlhermann Schötz das ganze Jahr über Führungen und Seminare an. Einmal im Jahr kommen zudem Christen aus der ganzen Welt in Flossenbürg zu einem Jugendcamp zusammen und treffen sich mit ehemaligen Häftlingen.

Ein kulturelles Highlight im Dekanat sind die Weidener Musiktage und die Weidener Max-Reger-Tage. Hier wird des berühmtesten "Sohnes" der Stadt gedacht, der 1898 nach dem Studium zurück in seine Heimat kam. Zwischen 1898 und 1903 schuf Max Reger Orgelwerke wie "Ein feste Burg ist unser Gott" oder "Wie schön leuchtet der Morgenstern", die ihn bekannt machten. In der heute evangelischen St. Michaelskirche, in der er seine Werke komponierte, wird musikalisch des Komponisten gedacht. Damit dies auch in angemessenem Rahmen geschehen kann, wird jetzt eine neue Orgel gebaut. Die Planungen sind abgeschlossen, in drei Jahren soll es damit wieder ein Instrument geben, das den Werken Max Regers gerecht wird. Max Reger selbst war übrigens katholisch, seine Frau hingegen evangelisch. Er lebte also die Ökumene in der eigenen Familie.

Im Zusammenleben von evangelischen und katholischen Christen sind die Altenstädter mit ihrer Simultankirche schon lange eingeübt. Die früheren Konflikte sind hier kaum noch spürbar. Eine gemeinsame Simultanverwaltung, in der sechs protestantische und sechs katholische Vertreter sitzen, erstellt den gemeinsamen jährlichen Wirtschaftsplan. Das Schmücken des Gotteshauses oder die Beseitigung von Schnee und Laub wird abwechselnd von evangelischen und katholischen Gemeindegliedern erledigt.



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Interview:
Dekan Wolfgang Scheidel

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(Foto: Bouillon)


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