SPRECHSTUNDE
Entfernte Verwandte spekulieren auf Erbschaft
In Ruhe genießen können
Von Irene Silbermann
Ich bin 61 Jahre alt, nicht verheiratet und habe keine pflichtteilsberechtigten Verwandten. Ich bin nicht unvermögend, weil ich mein Leben lang gearbeitet und gespart habe.
Meine entfernten Verwandten hoffen aber für sich bzw. ihre Kinder auf eine Erbschaft, das haben sie schon deutlich durchblicken lassen. Dabei gehen die Kontakte über Weihnachtsgrüße kaum hinaus. Ich habe mein Testament gemacht, und meine Verwandten erhalten nichts.
Im Grunde möchte ich keine Konfrontation, fühle mich aber schon sehr bedrängt. Deshalb überlege ich mir, ob ich ihnen, entgegen meiner bisherigen Meinung, sagen oder schreiben soll, dass sie nichts erben. Das würde aber wahrscheinlich das Ende der verwandtschaftlichen Beziehung bedeuten; andererseits ist mir die Vorstellung, dass die meinen Tod kaum erwarten können, sehr unangenehm.
Herr S.
Ich finde es gut, dass Sie die Fragen Ihrer Hinterlassenschaft jetzt klären wollen, wo Sie offenbar noch gut bei Kräften sind. Und ich möchte Sie darin bestärken, von Ihrer Freiheit Gebrauch zu machen, indem Sie das, was Ihnen gehört, nach Ihrem Tod denen zukommen lassen, die Ihnen wichtig sind.
Vielleicht ist es gut, wenn Sie Ihren Verwandten mitteilen, dass sie nicht bedacht werden. Wenn es Ihnen leichter fällt zu schreiben als zu reden, dann wählen Sie diesen Weg.
Sich selbst und anderen eine Freude machen
Sollte es daraufhin zu einem Abbruch der Beziehungen kommen, wäre, wie ich aus Ihrem Brief schließe, nicht allzu viel für Sie verloren. Allerdings ist es natürlich bedenkenswert, ob es Ihnen trotz allem zu schaffen machen würde und wie Sie damit umgehen könnten.
Der Vorteil wäre, dass Sie sich nicht mehr bedrängt fühlen müssten, weil die Tatsachen auf dem Tisch lägen. Und Sie könnten über der Frage Ihres Vermächtnisses wirklich zur Ruhe kommen und Ihr Leben genießen. Denn Sie sind ja noch nicht alt! Sie könnten gut und gerne noch über 20 Jahre leben und in dieser Zeit - wer weiß - den einen oder anderen Teil Ihres erarbeiteten Vermögens verbrauchen. Das fände ich im Übrigen das Allerbeste. Dann könnten Sie nämlich zu Lebzeiten genießen, was Sie sich selber erarbeitet haben. Und Sie könnten sich selber und vielleicht auch anderen Freude damit machen. Vielleicht haben Sie Lust zu reisen, zu kuren und sich irgendwelche anderen Wünsche zu erfüllen. Dann müssten Sie nur noch den eventuell übrig bleibenden Rest als Hinterlassenschaft verteilen.
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