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Die »messianischen Jünger« in Klosterzimmern: Eine neutestamentarische Urkirche mit Wurzel in der Hippie-Bewegung
Die Schule schwänzen, um sich »unbefleckt zu halten«
Sie seien bestimmt keine Anarchisten, Rebellen und seien nicht stur, beteuern die messianischen Jünger der »Zwölf Stämme«. Vielmehr sei es so, dass sie dem Gebot Gottes folgen würden, ihre Kinder nach Gottes Wegen zu erziehen und sie »von der Welt unbefleckt halten« müssten. Seit Monaten beschäftigt diese Einstellung der Glaubengemeinschaft »Zwölf Stämme« zur staatlichen Schule die Behörden.
Die »Zwölf Stämme« haben im Sommer 2001 das Gut Klosterzimmern im Landkreis Donau-Ries bezogen, das sie vom Fürstenhaus Oettingen-Wallerstein erworben hatten. Derzeit leben dort 58 Personen, sagt der Deininger Bürgermeister Karl-Heinz Stippler. 18 Kinder aus acht Familien wären schulpflichtig, ein Kind berufsschulpflichtig.
Doch auf dem Gelände der zuständigen Volksschule Deiningen wurde seit Schuljahresbeginn keines der Kinder aus der urchristlichen Wohngemeinschaft gesehen. Sie würden ihren Nachwuchs selbst zu Hause in Deutsch, Mathematik, Englisch und Nebenfächern unterrichten, teilen die »Zwölf Stämme« auf ihrer Internetseite mit. Diese wichtige Aufgabe, so teilten die messianischen Glaubensbrüder in der vergangenen Woche in einer Presseerklärung mit, könnte nicht einer Institution, Menschen oder Mitschülern überlassen werden, die andere Werte lehrten »und dem sensiblen Gewissen der Schüler schaden«.
Es wirke sich auf die Psyche von Kindern verheerend aus, ist Bürgermeister Stippler überzeugt, wenn sie in einer Getto-Situation aufwachsen müssten. Sozialkontakte über die Familie und die Verwandtschaft hinaus, wären wichtig. Gemeinschaft zu erfahren, trage zum seelischen Wachstum der Kinder bei.
Mit seinen Vorwürfen an die Eltern in der Glaubensgemeinschaft steht er nicht allein. Der Sektenbeauftragte der Landeskirche, Pfarrer Wolfgang Behnk, warnte bereits vor einem Jahr, die »Zwölf Stämme« enthielten ihren Kindern das Verfassungsrecht Schule vor. Auch körperliche Züchtigungen würden zu den pädagogischen Mitteln der Glaubensgemeinschaft gehören, schreibt Behnk im Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Die Glaubensgemeinschaft berufe sich auf das alte Israel, sehe sich als »neutestamentarische Urkirche« in der Nachfolge Jesu, den sie Jahschua nennen, und habe Wurzeln in der Hippie-Bewegung, beschreibt Behnk den ideologischen Ansatz der Gruppe, die weltweite Filialen hat.
Die bayerische Bildungsministerin Monika Hohlmeier will im Fall der Glaubengemeinschaft Härte zeigen. Die bayerische Verfassung schreibe die Schulpflicht vor und davon gibt es keine Ausnahme, stellt sie in einem Schreiben an den Donau-Rieser Landrat Alfons Braun klar. Das Landratsamt hat inzwischen gegen die Eltern Zwangsgelder in Höhe von 118000 Mark verhängt, gegen die regelmäßig Einspruch eingelegt wird. Man müsse notfalls auch zu härteren Druckmitteln greifen, sagt Kultusstaatssekretär Karl Freller. Das würde heißen, die Kinder mit Polizeibegleitung in die Schule zu zwingen.
Die Erfolgsaussichten sind dürftig. Die messianischen Glaubensbrüder verweisen unermüdlich auf ihre Erfahrungen in Niedersachsen und Baden-Württemberg. Dort hätten die Behörden den Hausunterricht gestattet, behaupten sie. Eine Nachfrage bei den zuständigen württembergischen Ämtern ergab aber: Dort hatte man letztlich vor der Sturheit der Gruppe resigniert.
jo
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