ZEITZEICHEN
Mit dem Fall der letzten Taliban-Bastionen fiel auch die ganzkörperverschleiernde Burka - Frauen sehen frei, Frauen werden wieder gesehen, auf Märkten, Plätzen und Straßen - Kabul 2002.
Ein paar tausend Kilometer weiter westlich wäre solche Freizügigkeit nicht vorstellbar: Im Herzen des europäischen Kulturkreises liegt der Berg Athos, die frauenlose Mönchsrepublik - letzter Hort einer religiös motivierten frauenfreien Zone. Der orthodoxe Heilige Berg im Osten Griechenlands darf seit Jahrhunderten von keinem weiblichen Wesen betreten werden (auch weibliche Haustiere werden übrigens strikt abgewiesen) - sehr zum Leidwesen der Athener Regierung, die den Athos schon länger für den Familientourismus öffnen will.
Als jetzt das Athener Gesundheitsministerium eine Krankenschwester mit der Leitung der Ambulanz auf dem Athos beauftragt hat, geriet die Männer-Republik in Aufruhr. Die Klosterpolizei ließ Polychronia Stephanaki nicht auf den Berg, seither hält sich die Schwester im Spital auf der benachbarten Halbinsel "in Bereitschaft".
Die Mönchsregierung des Athos hat in einem scharfen Protest unterstrichen, dass das traditionelle Frauenverbot eine Konsequenz der Klausur sei: Da in dem Klosterstaat auch viele Einsiedler verstreut lebten, seien Frauen vom Territorium ausgeschlossen. Die Mönche hoffen nun, dass Griechenland den Ministerentscheid zur Entsendung der Krankenschwester zurücknimmt.
Dabei sind die Athos-Mönche gar nicht grundsätzlich gegen zarte Frauenhände zu ihrer Heilung und Pflege: Rund um die Klosterrepublik liegen eine Reihe von Frauenklöstern, wo sich die Mönche pflegen lassen können - freilich nur die kranken und hochbetagten.
Nächster Artikel