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Sonntagsblatt-Serie (Leserfrage): Die Bibel verstehen (10)

Die Urgeschichte: Grundwahrheiten des Lebens

Ich habe Probleme mit der ganzen Urgeschichte (Genesis 1-11): Dass Gott die Welt erschaffen hat, dazu in sieben Tagen, die Erzählung von Adam und Eva, Kain und Abel, Noah etc. Das ist doch wohl nicht wörtlich zu nehmen - oder? Man kann doch nicht die Evolution und die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft ignorieren. Helfen Sie mir!" E. B. aus Bad Neustadt

Turmbau zu Babel

   Eskalation der Auflehnung gegen Gott: der Turmbau zu Babel.
Foto: sob


Gott hat uns nicht nur Gefühl und Herz geschenkt, sondern auch unseren Verstand. Die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften zu ignorieren, wäre für Christen fatal. Zwar gibt es fundamentalistisch ausgerichtete christliche Gemeinschaften, die etwa in der Evolutionstheorie eine Anfechtung ihres Glaubens sehen (so z.B. in einigen Staaten der USA, wo immer wieder diskutiert wird, inwieweit das Thema "Evolution" in Lehrplänen christlicher Schulen überhaupt auftauchen darf), nach unserem Verständnis geht es aber nicht darum, die eine Wahrheit gegen die andere auszuspielen. Vielmehr haben sich in der biblischen Urgeschichte Grundwahrheiten über das Leben der Menschen niedergeschlagen, die völlig im Einklang mit Erkenntnissen der modernen Natur- und Humanwissenschaften stehen.

Ein Blick in die Entstehungsgeschichte des Alten Testamentes zeigt, worum es den Autoren der Urgeschichte geht: Seit frühester Zeit hatte das Volk Israel seinen Gott als einen Gott erlebt, der mit seinem Volk mitgeht und konkret an ihm handelt. Das älteste biblische Stück, das aufgeschrieben wurde, war das Loblied auf Gott anlässlich der Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei (2. Mose 15). Erst viel später begannen die Menschen nach den Ursprüngen ihrer Geschichte mit diesem Gott zu fragen.

Liest man die Urgeschichte in einem Stück, entdeckt man schnell Doppelungen oder Widersprüche. (So ist etwa in Gen 1,27 ein Mensch zum Bilde Gottes geschaffen worden; dann fängt die ganze Erzählung in Gen 2,4ff noch einmal an und es wird beschrieben, wie der Mensch aus Erde gemacht wird). Diese Ungereimtheiten beweisen, dass diese Geschichte literarisch nicht aus einem Guss ist. Vielmehr sind zwei Erzählversionen mit ihrer jeweils ganz eigenen Perspektive eingeflossen: die "jahwistische" Erzählung (sie heißt so, weil sie durchgehend den Gottesnamen "Jahwe" verwendet), zur Zeit des späten Königtums (etwa um 950 v. Chr.), und die so genannte "Priesterschrift" (wegen ihres Interesses an kultischen Regelungen so genannt), die zur Zeit des babylonischen Exils etwa um das Jahr 550 v. Chr.) entstanden ist. In beide Erzählstränge sind sowohl Fragen, die zur jeweiligen Zeit gerade aktuell waren, als auch Motive und Vorstellungen aus den Schöpfungsmythen umliegender Völker mit eingeflossen. So wird z.B. in der mesopotamischen Gilgamesch-Sage bereits eine Sintflutgeschichte erzählt.

Die ältere, jahwistische Quelle überliefert vorwiegend erzählende Texte (z.B. die Erzählung vom Paradies, Gen 2 und 3, die Geschichte von Kain und Abel, Gen 4 und die Geschichte vom Turm zu Babel Gen 11). Die jüngere Priesterschrift besteht aus überwiegend ordnenden, aufzählenden, systematisierenden Texten (z.B. die Erzählung von der Erschaffung der Welt Gen 1 oder die Abstammungsgeschichten der Menschen in Gen 5 und 11).


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Die Bibel verstehen


Fragen an die Heilige Schrift

In der Sonntagsblatt-Serie "Die Bibel verstehen" werden Stellen aus der Bibel besprochen, deren Verständnis oft Schwierigkeiten bereitet. Sie sind eingeladen, sich an diesem Unternehmen zu beteiligen: Nennen Sie Stellen aus der Bibel, die Sie erklärt haben möchten, und nennen Sie die Schwierigkeiten, die Sie mit diesen Stellen haben.

Schicken Sie Ihre Beiträge und Fragen bitte an die Redaktion des Sonntagsblattes, sonntagsblatt@epv.de oder per gelber Post an die Anschrift
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Stichwort "Bibel".