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Helmut Hofmann, Beauftragter für Schule und Bildung, zum Kruzifix-Urteil

"Jedes religiöse Symbol kann missdeutet werden"

"Einen Tiefschlag für alle, die heute ernsthaft theologischen Unterricht erteilen", sieht Oberkirchenrat Helmut Hofmann in der Argumentation des Klägers im Kruzifix-Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes. Hofmann ist als Leiter der Abteilung "Gesellschaftsbezogene Dienste" in der bayerischen Landeskirche für die Bereiche Schulen und Bildung zuständig.

   Wie werten Sie das Kruzifix-Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs?

Hofmann: Grundsätzlich bin ich über das Urteil gar nicht glücklich. Ich nehme aber wahr, dass es sich laut VGH hier um einen atypischen Einzelfall handelt. Es geht dabei nicht um eine Sachentscheidung, sondern um eine Entscheidung, die auf die persönliche Situation des Klägers abhebt. Die Toleranz, für die das Zeichen des Kreuzes steht, verwehrt mir persönliche Angriffe gegen ihn.

   Wie schätzen Sie die Argumente des Klägers ein?

Hofmann: Eine genaue Einschätzung kann ich noch nicht geben, da ich derzeit nicht genau weiß, welche biographischen Erlebnisse zur Haltung des Klägers geführt haben. Soweit aber aus der bisher veröffentlichten Begründung des Urteils erkennbar ist, hat der Kläger aufgrund einer persönlichen Einstellung eine sachlich völlig falsche Darstellung der Bedeutung des Kreuzes vorgetragen - und zwar in pädagogischer und theologischer Hinsicht. Seine Darstellung ist ein Tiefschlag für alle, die heute ernsthaft theologischen Unterricht erteilen.

   Bei der Diskussion über derartige Urteile wird immer wieder grundsätzlich das Kreuz als christliches Symbol angesprochen. Welche Bedeutung hat das Kreuz heute in Schule und Erziehung?

Hofmann: Dieses Symbol erinnert daran, dass Jesus für uns den Tod am Kreuz auf sich genommen hat. In seinem Tod und seiner Auferstehung erkennen Christen das Ja Gottes zum Leben. Deshalb können wir Kinder und Jugendliche ermutigen zu einem Leben in Freiheit und Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen. Allerdings: Jedes religiöse Symbol kann missdeutet und missbraucht werden. Die Kirchengeschichte ist leider voller Beispiele dafür. Die Kirchen sind sich heute dieser schlimmen Fehlentwicklungen sehr wohl bewusst und haben daraus gelernt.

   Können Sie ein Beispiel nennen?

Hofmann: Im Verhältnis zu unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern gesteht die Kirche unumwunden eigenes Versagen ein. Heute gehen Repräsentanten der Kirche auf jüdische Gemeinden zu. Die Kirche wendet sich gegen jede Form von Antisemitismus. Deshalb ist es abwegig, wenn der Kläger heute behauptet, das Kreuz sei die "Pfahlwurzel" des Antisemitismus.

   Welche Erwartungen haben Sie auch nach dem neuen Kruzifix-Urteil an die Lehrkräfte?

Hofmann: Zum einen wünsche ich mir, dass der Kläger, der ja selbst Lehrer ist, seine falsche Sicht, zu der er aus welchen Gründen auch immer gelangt ist, verändern kann. Ich bin gerne zu einem klärenden Gespräch mit ihm bereit. Zum anderen wünsche ich allen Lehrkräften - nicht nur den Religionslehrkräften, dass sie die positive Botschaft des Kreuzes den ihnen anvertrauten Jugendlichen glaubwürdig vermitteln und vorleben können.

Interview: Achim Schmid


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Foto: Archiv

 
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