Weihnachten in Bethlehem
Das Heilige Land braucht Frieden
15 Monate al-Aqsa-Intifada und Israels "Krieg gegen den Terror" erschüttern das Heilige Land. Bethlehem, der Geburtsort Jesu Christi, erwartet in diesem Jahr keine friedliche Weihnacht.
Frieden auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen - wohl lange nicht hat man die biblische Verheißung des göttlichen Heils den Menschen im Heiligen Land mehr gewünscht als in diesem Jahr. Immer wieder neue Selbstmordattentate palästinensischer Extremisten und Israels offener "Krieg gegen den Terror" haben das Land in eine hoffnungslose Lage gebracht.
Wegen der Unruhen im Heiligen Land werden die volkstümlichen Veranstaltungen zum Christfest ausfallen, hat Bethlehems Bürgermeister Hana Nassar bekannt gegeben. Religiöse Zeremonien sollen aber stattfinden. Der Palästinenser beschuldigt Israel, die Weihnachtsfeiern wegen der militärischen Angriffe auf die Stadt unmöglich gemacht zu haben. Bethlehem ist durch die Kämpfe erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden; etliche Straßen sind von Panzerketten durchwühlt. Im Unterschied zu früheren Weihachtsfeiern mit Tausenden von Touristen stellen sich die ungefähr 14000 moslemischen und 13000 christlichen Einwohner Bethlehems auf eine spannungsvolle Weihnachtszeit ein.
In unterschiedlich geprägten Erklärungen nehmen Kirchenbünde zur Situation in Israel Stellung. Der Weltkirchenrat (Genf) macht Israel für die derzeitige Eskalation verantwortlich. Israels ständige Missachtung des internationalen Rechts, die anhaltende Besetzung und die Erfahrung, dass diese Aktivitäten nicht bestraft würden, seien die wichtigsten Gründe für die Unruhen, für die Bedrohung des Friedens und der Sicherheit beider Völker. Der Weltkirchenrat forderte Israel auf, die Rechte der Palästinenser in den besetzten Gebieten zu respektieren.
Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) appellierte an beide Konfliktparteien, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Nach Ansicht des EKD-Leitungsgremiums muss die Spirale von Gewalt und Vergeltung beendet werden. Eine besondere Verantwortung hätten dabei die Kirchen und christlichen Organisationen im Heiligen Land. Israelische und palästinensische Politiker müssten deshalb die Gegenwart der Christen und die Arbeit der kirchlichen Kirchen schützen. Der Rat bittet alle evangelischen Christen, für den Frieden im Nahen Osten zu beten.
Der Präsident des Lutherischen Weltbundes, der braunschweigische Landesbischof Christian Krause (Wolfenbüttel), geht in seiner Weihnachtsbotschaft ebenfalls auf die Situation in Bethlehem ein. Die Stadt liege unter Beschuss, Straßensperren blockierten den Weg, Menschen seien bereit, sich selbst in die Luft zu sprengen, um andere mit in den Tod zu reißen. Das Heilige Land sei geprägt von "unversöhnlicher, erbitterter Feindschaft". Und doch nehme die Christenheit Bethlehem in den Blick: Dort sei "der Heiland geboren, der Heil und Leben mit sich bringt".
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