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Dissidenten üben Fundamentalkritik am Kirchenparlament

Erlangen. Theologische Oberflächlichkeit und faule Kompromisse haben Kirchenparlamentarier der bayerischen evangelischen Landessynode und ihrem Präsidenten Dieter Haack vorgeworfen. In scharf formulierten persönlichen Stellungnahmen, die am Montag während der laufenden Synodaltagung in Erlangen bekannt wurden, beschuldigten drei Kritiker das Kirchenparlament, bei entscheidenden Themen "mehrheitlich nach Schrift und Bekenntnis überhaupt nicht mehr zu fragen".

Stattdessen herrschten "purer Opportunismus" und der Wunsch, der öffentlichen Meinung zu gefallen, stellte die Synodalin und Pfarrerin Kirsten Jörgensen (Wolfratshausen) fest. "Glaubt diese unsere Kirche überhaupt noch an irgendetwas anderes als daran, dass sie ihr Ansehen und ihren Besitzstand zu wahren hat?", fragte sie. Zu den Dissidenten, die für die Wahl zur nächsten Synode nicht mehr antreten wollen, zählen auch der Nürnberger Prodekan Rainer Oechslen und der Rektor des Bayreuther Predigerseminars, Martin Hoffmann. Alle drei werden dem linken Lager im Kirchenparlament zugeordnet.

Oechslen griff Synodalpräsident Haack persönlich an. Er warf dem früheren SPD-Bundesminister autoritären Ton, nationalkonservative Gesinnung und völliges Unverständnis für theologische Argumente vor. Wichtige Debatten würden unter Zeitdruck abgewürgt. Das Ergebnis seien Entscheidungen, die nicht zu verantworten seien. Als Beispiele nannte Oechslen die "windige Erklärung zum Kosovokrieg", die Debatte über die Rechtfertigungslehre und den Beschluss, mit einer Kommunikationsoffensive Kirchenwerbung zu betreiben.

Martin Hoffmann, der dritte Kritiker, hatte es vorgezogen, zu der Synodaltagung gar nicht erst zu erscheinen. Er ließ Haack schriftlich wissen, er sehe keinen Sinn darin, an der "Zelebration einer vorgetäuschten Harmonie" teilzunehmen. Abweichende Meinungen würden von der Kirchenpresse sowieso im Stil des "Neuen Deutschland" unterschlagen.

Die große Mehrheit der Kirchenparlamentarier reagierte auf die Kritik mit einer Mischung aus Kopfschütteln und Ärger.

Die Synodalin Christina Flauder (Kulmbach) sprach unter Beifall von "übler Ehrverletzung". Sie warf den Dissidenten vor, Haack und die ganze Synode diffamieren zu wollen. Andere Kirchenparlamentarier bezeichneten gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) die Kritik als »persönliche Verbitterung von Leuten, die in der Synode nicht zum Zug gekommen sind«, und als Ausdruck von Profilneurose. Manche Synodale fanden die Kritik "in der Sache nicht falsch, aber im Ton daneben."

Peter Reindl




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