Aktion Brot für die Welt
Eine Perspektive für junge Palästinenser
Eine Ursache der Gewalt zwischen Arabern und Israelis im Heiligen Land ist sicher die Perspektivlosigkeit vieler junger Palästinenser. Ein Ausbildungsprojekt der am ersten Advent beginnenden Aktion »Brot für die Welt« gibt Jugendlichen in der Region Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dreizehn tote Palästinenser, das ist die traurige Bilanz der Unruhen am vergangenen Wochenende in Palästina. Die Spirale der Gewalt war nach Wochen relativer Ruhe durch den Tod von fünf Kindern in Bewegung gesetzt worden, die bei Chan Junis von einem israelischen Sprengkörper zerrissen wurden. Auf der anderen Seite war in der Nähe einer jüdischen Siedlung ein israelischer Soldat bei einem Mörserangriff militanter Palästinenser getötet worden. Die israelische Armee reagierte wiederum mit der Zerstörung von Büros der palästinensischen Autonomiebehörde im Gaza-Streifen.
Die neuerliche Gewalteskalation scheint jeden Hoffnungsschimmer auf Frieden zu ersticken. Aber auch die wirtschaftlichen Folgen sind für das Land ruinös. Die Touristen bleiben aus, Bethlehem richtet sich auf das zweite Weihnachten in Folge ohne Touristen ein. Um die sonst von Besuchern umlagerte Grabeskirche in Jerusalem hat sich gespenstische Stille gebreitet. Das Heilige Land droht in Hoffnungslosigkeit zu versinken.
Und dennoch gibt es in diesem unerklärten Krieg auch das normale Leben. »Brot für die Welt« unterstützt mit seiner am 1. Advent in Schweinfurt beginnenden Aktion Projekte in den besetzten Gebieten im Westjordanland und im Gaza-Streifen, die Jugendlichen eine Perspektive geben sollen. Dazu gehört etwa die Ausbildung von Jugendlichen, die sonst keine Chance auf einen Beruf hätten. Im Gaza Boys` Vocational Training Center werden junge Männer im Alter von 14 bis 16 Jahren als Schlosser und Schreiner ausgebildet.
Der 16-jährige Mustafa beispielsweise hat sich innerhalb von zwei Jahren zum Schlosser ausbilden lassen. Stolz zeigt er sein Gesellenstück, ein schön verziertes Gartentor. Im Gaza-Streifen hat Mustafa nie die Möglichkeit gehabt, eine Schule zu besuchen. Deshalb war er besonders dankbar für den Unterricht in arabischer Sprache und in Mathematik. Gleich neben der Werkstatt erlernen palästinensische Mädchen das Schneiderhandwerk oder besuchen Computerkurse. Ohne einen solchen Abschluss hätten sie so gut wie keine Chance, Arbeit zu finden.
Mustafa durfte den Gaza-Streifen noch nie verlassen, nun träumt er davon, einmal in die Jerusalemer Al Aksa Moschee zum Beten gehen zu können. Eines Tages, so glaubt er, werden Israelis und Palästinenser friedlich zusammenleben, und er wird dann frei reisen können. Mustafa hat eine Perspektive, die ihm die radikale Hamas nicht geben kann.
Helmut Frank
Brot für die Welt, Konto 500500500 bei der Postbank Köln, BLZ 37010050.
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