| Die EKD-Synode und der Krieg in Afghanistan
Friedensethik konkret
Kommentar von Lutz Taubert
Ein Papier mit dem Titel "Friedensethik in der Bewährung" zu verabschieden, ist das eine. Der Rat der EKD (Evangelischen Kirche in Deutschland) hat es, allerdings zwei Tage vor dem 11. September, getan. Etwas ganz anderes ist es, über Friedensethik anhand eines konkreten Falles zu streiten. Die EKD-Synode - zu Gast in Amberg in der Oberpfalz - hat fünf Stunden über den Krieg in Afghanistan gestritten, ohne freilich zu einer einmütigen Haltung zu finden.
Immerhin: Eine Debatte auf höchstem Niveau, bei der sich die weiterhin klärungsbedürftigen Fragen herauskristallisierten. Wann ist der kriegsmäßige Einsatz als "Ultima Ratio", als letztes Mittel, gerechtfertigt? Evangelische Friedensethik hatte sich mit einigen Mühen der Gewaltsituationen und Menschenrechtsverletzungen angenommen, wie sie für den Balkankonflikt typisch waren und sind. Nun aber geht es um Abwehr terroristischer Gewalt. Da muss man - furchtbarer Gedanke - gerechtfertigte militärische Gewalt gegen Terroristen mit der Gefährdung Unschuldiger abwägen.
Dass wir Deutschen aus der Sonderrolle der Nachkriegssituation nun allmählich herausgewachsen sind, machte die Debatte ebenso deutlich. "Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin", hieß es in einem bekannten Spontispruch aus der pazifistischen Frühzeit unserer Republik. Der Berliner Theologe Richard Schröder verdrehte diesen Spruch in geradezu witzig-genialer Weise: "Stellen Sie sich vor, Frankreich, England und die USA hätten im Zweiten Weltkrieg ein Nein ohne jedes Ja zum Krieg gesagt." Soll heißen: Wenn Deutschland friedenspolitische Verantwortung übernimmt, muss es deshalb noch längst nicht geschichtsvergessen werden. Im Gegenteil.
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