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Militäreinsatz gegen Terror

Was sagen Christen zu diesem Krieg?

Bundeswehrtruppen ja oder nein? Hilft ein Bombenstopp den Flüchtlingen oder hilft er nur den Taliban? In den Reihen der Evangelischen Kirche gehen die Haltungen zum Krieg in Afghanistan weit auseinander.

Eine eindeutige Haltung zum Krieg in Afghanistan fand auch die im bayerischen Amberg tagende Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nicht, kam sie aber immerhin zu einem mehrheitlich akzeptierten Votum: militärische Mittel im Kampf gegen den Terrorismus seien nicht grundsätzlich abzulehnen, müssten jedoch enge Grenzen haben. Außerdem wird ausdrücklich Respekt vor der Gewissensentscheidung jedes Einzelnen in dieser Frage betont.

Der Berliner Theologe Richard Schröder wurde in der Diskussion deutlich gegenüber den Gegnern des Militäreinsatzes. Es handele sich nicht um einen Krieg gegen Afghanistan und auch nicht um einen Krieg der USA. Auch sollten nicht die Taliban, sondern nur deren militärisches Potenzial vernichtet werden: "Stellen Sie sich vor, Frankreich, England und die USA hätten im Zweiten Weltkrieg ein Nein ohne jedes Ja zum Krieg gesagt", sagte er.

Der Cottbuser Generalsuperintendent Rolf Wischnath, der die Alternativ-Erklärung mit initiiert hatte, wies die Äußerungen Richard Schröders scharf zurück. Der Krieg der Alliierten gegen Nazi-Deutschland sei als Ultima Ratio gerechtfertigt gewesen, argumentierte der Theologe. Doch mit der sinnlosen Bombardierung Dresdens gegen Kriegsende habe man "die Schwelle eines ethisch vertretbaren Kriegseinsatzes überschritten". "Wir laden auch Schuld auf uns, wenn wir ein Anwachsen des Terrorismus ohne Gegenwehr hinnehmen", warnte der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe, der dem EKD-Rat angehört. Bei einem Verzicht auf konsequentes Vorgehen bestehe die Gefahr, dass in zehn Jahren Osama bin Laden über atomare oder chemische Waffen verfüge.

"Die evangelische Kirche hat kein Lehramt, das in dieser Frage eindeutig entscheiden könnte", betonte der EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock. "Die Zerrissenheit geht manchmal durch einzelne Personen, die Synode und die ganze Gesellschaft."

Die unterschiedlichen Haltungen zum Kriegseinsatz in Afghanistan spiegeln sich auch in der Leitung der bayerischen Landeskirche wider. Während sich Landesbischof Johannes Friedrich für einen Bombenstopp ausgesprochen hat, um den Flüchtlingen helfen zu können, stellt sich Synodalpräsident Dieter Haack klar hinter die Position der Bundesregierung. Haack verwies auf die 5. These der Barmer Erklärung von 1934, wonach dem Staat aus christlicher Sicht die Aufgabe übertragen sei, auch unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Gewalt im Kampf gegen Terroristen sei daher erlaubt; sie müsse aber durch andere Maßnahmen begleitet werden.

Kein Verständnis zeigte Haack für die Forderung des EKD-Ratsvorsitzenden Manfred Kock, der ein Ende der Militärschläge in Afghanistan während des moslemischen Fastenmonats Ramadan gefordert hatte: Er könne nicht erkennen, dass dieses Argument Bestandteil einer christlichen Friedensposition sei, so der frühere SPD-Politiker. Er erinnerte daran, dass arabische Nationen während des Ramadan einst den Krieg gegen Israel begonnen hatten.


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Foto: epd-bild