Friedensbewegung in den USA
Gibt es einen gerechten Krieg?
Die Anti-Kriegsbewegung in den USA ist nur eine kleine Minderheit. Nach Umfragen befürworten mehr als 80 Prozent der Amerikaner US-Präsident George W. Bushs Strategie gegen den Terrorismus. Kriegsgegner seien "Osama bin Ladens fünfte Kolonne", schimpfen konservative Publizisten. Am meisten zu schaffen machen den Kriegsgegnern Vorhaltungen, dass dieser Krieg doch "gerecht" sei.
Vergangenen Samstag wurde wieder demonstriert. In New York, Washington, Orlando und ein paar dutzend weiteren Städten kamen Friedensbewegte zusammen. Sie wollten zeigen, "dass nicht alle Amerikaner für den Krieg sind", begründete das koordinierende "International´Action Center" in New York den Aufruf.
Tony Murphy, Sprecher des schon gegen den Golf- und Kosovokrieg aktiven Verbandes sieht die Anti-Kriegsbewegung in den USA am Wachsen. Tausende sind bereits mitmarschiert bei Kundgebungen in Washington und New York unmittelbar nach Beginn des Luftkriegs gegen die afghanischen Städte - Globalisierungsgegner, Christen, Linke, Pazifisten. "USA raus aus Afghanistan", riefen sie.
Der Überfall habe Amerika so wehgetan, dass die meisten Menschen ihren Schmerz mit Patriotismus und Militärschlägen zudecken wollten, sagt Judith Pasternak von der War Resisters League (WRL), der ältesten amerikanischen Anti-Kriegsorganisation. Die Bombenangriffe träfen doch nicht die Schuldigen, sondern verursachten nur noch mehr Leid. Am New Yorker WRL-Büro hängt ein Schild: "Stoppt Terrorismus. Entwaffnet das Pentagon."
Wie Pasternak ist der Jurist Richard Falk seit Jahrzehnten in Anti-Kriegsbewegungen aktiv. Die Theorie, dass Amerika "selber schuld" sei, wird von ihm jedoch nicht akzeptiert. "Der Krieg gegen den apokalyptischen Terrorismus ist der erste gerechte Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg", meint Falk. Der Terrorismus entziehe sich Verhandlungen. Er sei völkermörderisch und richte sich gegen ganz Amerika und gegen alle Juden. Freilich müsse die "militärische Komponente" der Anti-Terror-Strategie "so minimal wie möglich" sein.
Falk spricht für viele Aktivisten, die vor zehn Jahren gegen den Golfkrieg protestierten und vor dreißig Jahren gegen den Vietnamkrieg. Jetzt haben sie Zweifel. Selbst das linksliberale Wochenmagazin The Nation schrieb: Früher gebrauchte Argumente, dass Krieg grundsätzlich abzulehnen sei, genügten diesmal nicht. Gegen den Vietnamkrieg habe es zahlreiche humanitäre und pragmatische Gründe gegeben. Vor allem habe Ho Chi Minh den USA nie etwas angetan. Aber die heutigen Feinde griffen die USA an.
In den Kirchen finden Kriegsgegner nur begrenzt Unterstützung, obwohl man dort einräumt, dass der Krieg "keine Lösung" sei. Vor dem Beginn der Bombenangriffe traten Kirchenführer für eine "gemäßigte Politik" ein. Aber inzwischen hat der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz den Krieg zum "gerechten Krieg" erklärt. Auch die großen protestantischen Kirchen schlagen sich auf die Seite der Militärs, wenn auch "mit Trauer", wie ein lutherischer Bischof sagte.
Konrad Ege
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