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ZEITZEICHEN

"Spaß muss sein." Mit diesem Slogan sollte das "Zeitzeichen" dieser Ausgabe eigentlich beginnen. Es wollte sich hernach ein wenig verbreiten über den fatalen Zwang der gegenwärtigen Welt, wonach neuerdings alles Spaß machen muss. Kunst und Politik, Arbeit und Freizeit, Information und Bildung, Glaube und Kirche. Am Ende gar Gott selbst. Auch diese kleine Kulturkritik des Spaßes zu lesen, sollte zugestandener Maßen Spaß machen.

Urplötzlich hat sich jeglicher Spaß aufgehört. Das überfällige Ende der Spaßgesellschaft? Nein, so hatte es selbstverständlich niemand gemeint.

"Nichts wird mehr sein, wie es einmal war", heißt seit der Katastrophe ein eifrig zitiertes Dogma. Erschütternd vieles ist freilich geblieben und wird leider bleiben wie es war. Einschlägig bekannte Blätter haben nicht einen Tag aufgehört, sich an der "Sensation" aufzugeilen. Lustbetonte TV-Sender vermochten nicht eine Nacht lang darauf zu verzichten, mit Horror zu unterhalten und mit Terror Einschaltquoten zu schinden. Wem die Realität des Grauens zu unerträglich war, der konnte Fiktionen des Grauens konsumieren. Es steht zu befürchten, dass den großen lustvollen Katastrophenfilmen "Titanic" und "Pearl Harbour" solche über die "Twin Towers" und das "Pentagon" folgen. Die Computerversion des 11. September wird nicht lange auf sich warten lassen, damit die Kids die Ereignisse auf ihren Bildschirmen nachspielen können.

Derweilen sind schon einmal T-Shirts mit aufgedruckten "Twin Towers" und Flugzeugen auf dem Markt. Seit dem 12. September. Alles wird sein, wie es war. The games must go on. Spaß muss sein. Das ist die Katastrophe in der Katastrophe.

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