Die etwas andere sakrale Kunst: Zwei Graffiti-Bilder in der Münchner Lukas-Kirche sollen die Sanierungskosten dämpfen
Evangelium aus der Spraydose
So viel Farbe war noch nie in der Kirche: Zwei Graffiti, eines im rechten Seitenschiff, das andere auf der Empore der Orgel, schmücken derzeit die Münchner Lukaskirche - ganz legal, im Auftrag des Kunstausschusses der Kirchengemeinde.
Won alias Markus Müller hat in seinem Bild den Evangelisten Lukas dargestellt, die Mauern der Kirche als Umhang, die Kuppel als Kopfbedeckung. Der Spray-Künstler, bekannt durch die Prozesse, die die Bundesbahn gegen ihn führte, sieht sich durch den ungewöhnlichen Auftrag "in der Tradition der Maler, die vor Hunderten von Jahren nur Aufträge von der Kirche erhielten".

Die Künstlergruppe Loomid/Sat/Schawn hat Motive aus dem Lukasevangelium aufgegriffen
(Foto: Frank)
Das Bild auf der Orgel-Empore der Künstlergruppe Loomid/Sat/Schawn stellt auf 18 Platten Motive aus dem Lukasevangelium dar: die Verkündigung der Geburt Jesu an die Hirten auf dem Felde, die Heilige Familie, das Gleichnis vom reichen Kornbauern, den ins Wasser sinkenden Petrus, das Reich-Gottes-Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr, den Gekreuzigten und den Auferstandenen Christus.
Ende Oktober sollen die Kunstwerke versteigert werden, der Erlös soll zur Renovierung der 1896 gebauten Lukaskirche beitragen. Die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg und der saure Regen haben der Kirche schwer zugesetzt. Risse im Mauerwerk und bröckelnder Sandstein erfordern eine Generalsanierung, die um die 8 Millionen Mark kosten wird.

Der Künstler Won hat den Evangelisten Lukas dargestellt
(Foto: Frank)
Zur Sicherung der Gewölbe tragenden Rosetten und der Balustrade an der Thierschstraße hat das Dekanat zwei Millionen Mark bereitgestellt, weshalb die Bauvorhaben anderer Kirchengemeinden zurückgestellt werden mussten. "Das war der Lukasgemeinde sehr peinlich", sagt Brigitte Stadler, Vertrauensfrau des Kirchenvorstandes und Mitglied im Bauausschuss des Münchner Dekanats. Der Verkauf der Graffiti - nur zehn Prozent des Erlöses gehen an die Künstler - soll nun neben vielen anderen Aktionen Geld in die Gemeindekasse bringen.
Die Bilder sollen in Teilen Mitte Oktober in einer Münchner Galerie versteigert werden. Interessenten, die "still" einen Teil der Bilder ersteigern wollen, können sich im Pfarramt der Lukaskirche melden: Tel. (089) 221762.
sob
Nächster Artikel