Koalition gegen religiösen Fanatismus
Kommentar von Hartmut Joisten
Lässt sich der Terror stoppen? Diese Frage hält die Welt seit den Anschlägen von New York und Washington in Atem. US-Präsident George . Bush und seine Regierung bereiten intensiv eine militärische Antwort darauf vor. Dass die gnadenlos brutalen Terroristen zur Verantwortung gezogen werden müssen, steht außer Frage. Angesichts von tausenden von Toten verbietet sich jede Verharmlosung ihrer schrecklichen Taten. Ein militärischer Gegenschlag ist jedoch mit großen Risiken verbunden. Welche Konsequenzen er nach sich zieht, lässt sich nicht überblicken.
Deswegen geht Angst um in der Welt, Angst davor, dass sich die Terroranschläge auf die USA zu einem Flächenbrand ausweiten, Angst vor Krieg. Auf der US-Regierung lastet jetzt eine schwere Verantwortung: entschlossen gegen die Handlanger der mörderischen Gewalt vorzugehen und trotzdem Vernunft und Besonnenheit zu bewahren. Dabei dürfte den Amerikanern klar sein, dass dem weltweiten Netz des tückischen Terrors, das beispielsweise der von Afghanistan aus operierende islamistische Extremist Osama Bin Laden geknüpft hat, mit militärischen Mitteln kaum beizukommen ist. Vor allem verbindliche politische und wirtschaftliche Schritte auf internationaler Ebene sind nötig, um Extremisten wie Bin Laden das Handwerk zu legen. So muss die globalisierte Wirtschaft Mittel und Wege finden, fanatisierten Terroristen den Geldhahn zuzudrehen und Geschäfte mit ihnen zu unterbinden. Zudem wird die westliche Außen- und Sicherheitspolitik, deren Grundlagen weitgehend aus der Zeit des kalten Krieges stammen, überdacht werden müssen: Wir brauchen Konzepte, die wirksamen Schutz vor terroristischer Gewalt mit dem Modell einer freien und offenen Gesellschaft verbinden.
Aber nicht nur für Politik und Wirtschaft, auch für die großen Weltreligionen haben sich die Herausforderungen seit diesem schwarzen 11. September drastisch verändert. Nach allem, was wir bisher wissen, gehören die Terroristen zu einer Gruppe islamistischer Fanatiker. Diese Leute missbrauchen den Islam für ihre Zwecke und scheuen dabei nicht einmal vor Mord an unzähligen Unschuldigen zurück. Auch die meisten Moslems verabscheuen Terror und Gewalt. Man kann deswegen nicht oft genug vor pauschalen Verurteilungen des Islam warnen. Um dem Terror in der Welt beizukommen, muss für die Weltreligionen der intensive, ergebnisorientierte Dialog untereinander oberste Priorität erhalten.
Auch für die christlichen Kirchen gehört dieser Dialog endlich ganz oben auf die Tagesordnung. Die Konzentration auf ihn ist weit wichtiger als die Lösung innerchristlicher Streitigkeiten. Ein entscheidender Erfolg dieses Dialogs und damit ein konkreter Beitrag zum Frieden in der Welt wäre die Entwicklung eines wirksamen Gegengiftes gegen religiösen Fanatismus. Eine Koalition der Weltreligionen gegen religiösen Fanatismus würde dem Terror von Selbstmordattentätern einen wichtigen Nährboden entziehen.
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