ZEITZEICHEN
Viele hätten gern hineingewollt am letzten Freitag in die Münchner Erlöserkirche, doch nur die wenigsten durften dabei sein, als der Schauspieler Heiner Lauterbach mal wieder heiratete. Er konfessionslos, doch immerhin: Seine Braut war schnell noch evangelisch geworden.
So eine Promi-Hochzeit muss sich doch wenigstens im Blätterwald des Boulevard sehen lassen, dachten wir und freuten uns schon auf Bilder von einer der schönsten evangelischen Kirchen Münchens mit dem mondänen Brautpaar.
Doch zu sehen gab`s auch da nichts außer vier breitschultrigen Bodyguards, die den Eingang der Kirche verstellten. Der geschäftstüchtige Lauterbach hatte die Bildrechte an seiner Hochzeit - auch deren kirchlichen Teil! - an die Internetausgabe der BILD-Zeitung verkauft: geschlossene Gesellschaft. Basierend übrigens auf einem entspechenden Beschluss des Kirchenvorstands der Erlösergemeinde.
Dieser merkwürdige Vorgang erhielt dann doch noch - kirchenpolitisch betrachtet - seinen bemerkenswerten Abschluss. Ein offenbar für den allgemeinen Boulevardklatsch freigegebenes Foto zeigt Heiner Lauterbach, wie er, gleichsam selig-ermattet von den Hochzeitsfeierlichkeiten, auf seiner Wohnzimmercouch eingeschlafen ist. Ein dickes Buch ist dem Erschöpften aus den Händen geglitten und liegt nun offen auf seiner Brust. Es ist nicht etwa das Kamasutra oder irgendeine derartige "einschlägige" Lektüre, sondern - zweifelsfrei - das evangelische Gesangbuch! Gibt es einen besseren Beweis, dass sich die Lauterbachs in aller gebotenen Ernsthaftigkeit und bis zur Erschöpfung auf ihren evangelischen Traugottesdienst vorbereitet haben? ms
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