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Kinder bewegen die Welt

Kommentar von Manfred Gärtner

Selten fallen Bilanzen internationaler Zusammenschlüsse positiv aus. Weltweit ist die Zahl der Kriege und Flüchtlinge erschreckend hoch, und um die Ernährung der Weltbevölkerung ist es auch nicht zum Besten bestellt, die Immunschwächekrankheit Aids ist in vielen Ländern auf dem Vormarsch.

Umso größer die Überraschung, dass UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, im Vorfeld des zweiten Weltkindergipfels vom 19. bis 21. September in New York, im Bericht "Zur Situation der Kinder in der Welt" eine trotz mancher Enttäuschungen insgesamt positive Bilanz der Entwicklung seit dem ersten Kindergipfel 1990 ziehen kann.

Damals versprachen die 71 teilnehmenden Staats- und Regierungschefs der Weltöffentlichkeit, die Weichen für eine kinderfreundliche Welt zu stellen; eine Welt, in der Kinder besser vor Krankheit, Hunger und Krieg geschützt sind; in der jedes Kind zur Schule gehen kann.

Vieles wurde in den elf Jahren erreicht. Die Kindersterblichkeit wurde gesenkt. 1990 starben noch 198 von 1000 Kindern vor ihrem fünften Lebensjahr. Heute sind es "nur" noch 81 von 1000. Aber: In den Ländern Afrikas südlich der Sahara sterben immer noch 172 Kinder, bevor sie fünf Jahre alt werden. Die Rate der mangelhaft ernährten Kinder konnte seit 1990 um 17 Prozent gesenkt werden. Aber: Versprochen worden waren 50 Prozent. Noch nie wurden mit 82 Prozent aller Kinder so viele eingeschult wie heute. Doch auch hier das Aber: Immer noch sehen über 100 Millionen Kinder niemals eine Schule von innen. Auf dem schwarzen Kontinent beträgt dieser Anteil sogar 40 Prozent.

Dass viele Vorhaben nur unzureichend umgesetzt werden konnten, hat nach UNICEF-Angaben mit der Ausbreitung von Aids ebenso zu tun wie mit den Folgen von Krieg und Naturkatastrophen, aber auch schlicht mit der Armut der Eltern. Vielerorts fehle der politische Wille, in die Zukunft der Kinder der Welt zu investieren. Das zeigten die nach wie vor hohen Rüstungsausgaben in vielen Entwicklungsländern bei gleichzeitigem Rückgang der Entwicklungshilfe der wohlhabenden Länder. Hier macht auch die Bundesrepublik Deutschland keine Ausnahme.

"Kinder bewegen die Welt" lautet das Motto des Sondergipfels. Doch müssen sie in die Lage dazu versetzt werden. 78 Staats- und Regierungschefs, noch mehr als 1990, haben ihre Teilnahme zugesagt, darunter Jacques Chirac und Eduard Schewardnadse. Berlin tut es eine Etage niedriger: Familienministerin Christine Bergmann und Anke Fuchs als Sonderbeauftragte werden in New York dabei sein. Trotz mancher Erfolge seit 1990: Für sie gibt es noch viel zu tun.


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  Orgelbauer Gerald Woehl
(Foto: epd-bild)