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Bayern2Radio: Die Flucht der Hugenotten aus Frankreich

Aufbruch in ein neues Land

Louis XIV. weilt mit seinem Hof zur Jagd in Fontainebleau. Im Salon seiner Mätresse und geheimen Gemahlin unterzeichnet er am 22. Oktober 1685 elf Artikel einer königlichen Verfügung, die einen großen Teil des Volkes in unsägliches Leid stürzt: die Aufhebung des Edikts von Nantes. Ursprünglich war es als "ewiger und unwiderruflicher" Friedensschluss gedacht, das den Protestanten in Frankreich Glaubensfreiheit zusicherte.

Der "allerchristlichste" König jedoch erklärte das Toleranzedikt seines Großvaters für null und nichtig. Der evangelische Gottesdienst wurde untersagt, Kirchen zerstört und protestantische Schulen geschlossen. Die Prediger hatten das Land innerhalb von 14 Tagen zu verlassen. Den anderen war die Auswanderung verboten. Wer es dessen ungeachtet wagte zu fliehen, musste mit grausamen Strafen rechnen. So wie Blanche Gamond, die noch an der Grenze zur Schweiz verhaftet wurde. Mit anderen "Unverbesserlichen" brachte man sie in das berüchtigte Spital von Valence, wo sie in unvorstellbarer Weise misshandelt wurde.

Dennoch gelang Hunderttausenden von Hugenotten die Flucht. Der größte Teil von ihnen ging nach England, Holland und Brandenburg. Die reformierte Schweiz war oft die erste Zufluchtsstätte, eine Art Durchgangslager für jene Hugenotten, die nach Deutschland wollten. Auch in Franken siedelten sich viele an, vor allem in Erlangen und Schwabach.

In ihrer Sendung "Aufbruch in ein neues Land" erinnert die Journalistin Elke Endraß an diese Zeit, die auch als "Le Grand Refuge", die große Zuflucht, bezeichnet wird.sob

In der Reihe "Evangelische Perspektiven" wird die Sendung am 16. September um 9 Uhr im Programm Bayern2Radio ausgestrahlt.

sob


Deutsche Gehörlosen-Kulturtage im Münchner Gasteig

Blick in das "Reich der Stille"

Eine fremde Welt zu entdecken, ist immer faszinierend. Im Rahmen der "3. Deutschen Kulturtage der Gehörlosen" in München gab es die Gelegenheit, das zu tun und in das "Reich der Stille" zu blicken. Dabei wurde unter anderem eine Kunstausstellung mit den Werken gehörloser Künstler und Künstlerinnen eröffnet.

Die Welt der Gehörlosen erscheint hörenden Menschen als Reich der Stille. Für sie selbst ist es aber eine sehr lebendige, aktive Welt. Mit Hilfe der Gebärdensprache stehen sie in ständiger Kommunikation miteinander. Dieses visuelle Sprachsystem, das sogar eine eigene Grammatik besitzt, ermöglicht den Gehörlosen einen problemlosen, verlässlichen Informations- und Meinungsaustausch. Kontakt zu den Hörenden, die sich ohne Kenntnisse der Gebärdensprache während der Kulturtage vielleicht ein wenig ausgeschlossen fühlten, erreichten die gehörlosen Künstler und Künstlerinnen mit ihren Bildern, Skulpturen und Fotos. Landschaften, Häuser, Blumen, Frauen und Träume waren die Themen: Gehörlose haben ähnliche Interessen, wie "normale" Künstler.

Es gab aber auch einige Unterschiede. So kamen Hände und die Gebärdensprache als Motive vor. Auch eine Skulptur fiel ins Auge: Es war eine Frau, über und über beschrieben mit den Wörtern "gehörlos, taub, taubstumm". Das ist, in drei Worten zusammengefasst, die Realität für etwa 80000 Menschen in Deutschland. Den hörenden Mitmenschen fällt es oft schwer, deren "Anderssein" zu akzeptieren. Das Bild mit dem Titel: "Du sollst sprechen!" zeigte genau den Anspruch vieler Hörenden gegenüber Gehörlosen. Gehörlose können das aber nicht. Sie haben andere Mittel sich auszudrücken.

Neben der Gebärdensprache sind das zum Beispiel Bilder und Farben, die zeigen, wie intensiv Gehörlose die Welt sehen. Deswegen empfinden sie es als Beleidigung, wenn Hörende sie als "taubstumm" bezeichnen, als ob sie die Welt um sich herum nicht wahrnehmen könnten.

Die Kulturtage überzeugten davon, dass die Gehörlosenkultur in Malerei, Theater oder in der bildenden Kunst eine gelebte, sich stets weiter entwickelnde Bewegung ist.

Zsuzsanna Gazdag


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