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Serie "Warum ich Christ bin"(8):
Ingo Resch,Verleger in München

Die Verbindung zu Jesus
macht zum Christen

Soziologisch gesehen bin ich Christ, weil ich im christlichen Abendland geboren, getauft und groß geworden bin, theologisch gesehen bin ich ein Christ, weil mir Gott die Gnade geschenkt hat. Psychologisch gesehen hatte ich insofern geringe Schwierigkeiten Christ zu werden, weil ich grundsätzlich eine höhere Autorität über mir akzeptieren kann.

In meinem Elternhaus gab es in dem Sinne keine christliche Erziehung. Zwischen Pantheismus und weihnachtlicher Romantik hatte alles Platz. Mein älterer Bruder ist Atheist, bei meinen Schwestern weiß ich eigentlich nicht so genau, wo sie konkret stehen.

Als Student der Wirtschaftswissenschaften liebäugelte ich immer wieder mit einem Theologiestudium. Ich las die Bibel, war von der intellektuellen Tiefe des Paulus angetan, sie beeindruckte mich mehr als die von Plato aufgeschriebenen Dialoge des Sokrates. Aber ich kam auch in Berührung mit Bultmannscher Theologie. Mein Christ-Sein wurde unverbindlich. Ich relativierte. Das Wort Gottes war nicht mehr absolut. Andere Religionen schienen ebenso wahrscheinlich, ich meinte, sie seien nur ein anderer Ausdruck derselben Wahrheit.

Als ich 40 Jahre alt war, dem Ursprung der Welt und des Lebens in naturwissenschaftlicher Literatur auf die Spuren kommen wollte, begegnete ich einem bekennenden Christen. Er forderte mich auf, Jesus nachzufolgen. Nach einem dreistündigen Gespräch folgte eine klare Entscheidung. Dieses unbedingte, im Gebet laut gesprochene Ja zu Jesus hat mein Leben grundlegend verändert.

Anfangs war es für mich schwer, von alteingesessenen Denkgewohnheiten Abschied zu nehmen. Die Mechanismen des Zufalls, der Auslese und Höherentwicklung erkannte ich nur mühsam in ihrer hypothetischen, wissenschaftlich nicht haltbaren Aussage. Mir wurde im Laufe der Zeit klar, dass es sich bei den Darwinschen Überlegungen um eine Naturphilosophie handelte, die letztendlich auch Grundlage der Ideologien des 20. Jahrhunderts bildete und dieses Jahrhundert in eine Hölle verwandelte.

Später wurde mir deutlich, dass dieser Glaube an eine durch Gesetzmäßigkeiten gesteuerte Höherentwicklung des Lebens auch Grundlage aller anderen Religionen der Welt ist: Der Mensch macht den besseren zukünftigen, den besseren jenseitigen Menschen durch Erkenntnis, durch Übungen oder Leistungen. Der Gegensatz zur biblischen Offenbarung wurde mir deutlich: Hier macht Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde, hier heilt Jesus den Menschen, er macht ihn neu, nicht wir uns selbst. Wer ihm vertraut, hat ein Recht, ein Kind Gottes zu sein. Keine Leistung, kein Wissen, keine Übungen, nur Vertrauen.

Ich sah, dass Vertrauen Grundlage allen Lebens in dieser Welt ist. Selbst auf dem Gebiet der Wirtschaft können wir derartige Zusammenhänge erfahren. Unternehmer brauchen Vertrauen in die Märkte und in die Politik, wenn sie investieren, Arbeitnehmer Vertrauen in das Unternehmen.

Ohne Vertrauen kein Wirtschaftsleben, ohne Vertrauen kein menschliches biologisches Leben, ohne Vertrauen kein Leben mit Gott. Und Jesus stellt das Vertrauen in den Mittelpunkt seiner Botschaft. Selbst unsere Sorgen können wir ihm anvertrauen, alles: es gibt keine Ausnahme.

Mich hat die Botschaft der Bibel in ihrer Tiefe und Genauigkeit fasziniert, wie sie die Struktur des Werdens von Leben und seinen Zerfall beschreibt. Nur hier wird ein Entstehen und ein Werden begründet, das als einziges Welterklärungsmodell nicht mit Natur- und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen kollidiert.

Aber wenn ich meine, die biblische Botschaft hat mich überzeugt, dann steckt noch mehr dahinter: Die biblische Geschichte baut auf Zeugen auf. Das findet sich in keiner Religion, keiner Philosophie und in keinem Welterklärungsmodell. Denn nirgendwo sonst wurden Geschehnisse so präzise prophezeit, die auch wirklich genau so eingetroffen sind, wie in der Bibel. Zwei Bereiche der Prophezeiungen sind erkennbar: die Israel und die Jesus betreffen. Sie sind zu einem großen Teil erfüllt. Wenn wir die Rückkehr der Juden nach fast 2000 Jahren Zerstreuung betrachten, dann schaudert es einen, wenn man diesen einzigartigen historischen Vorgang präzise bei verschiedenen Propheten beschrieben findet.

Wenn wir das Leben von Jesus und sein weltweites Wirken in den 2000 Jahren nach ihm sehen, erleben wir das Gleiche. Weder Lao-Tse, Buddha noch Mohammed waren prophezeit, noch verkündeten sie selbst geschichtliche Prophezeiungen, an denen sich ihre Aussagen hätten bewahrheiten können.

Aber es gibt noch einen dritten Punkt, warum ich Christ bin. Ich erlebte in den 20 Jahren Christ-Sein die Gegenwart Jesu. Ich erlebte, dass dieser Glaube ein lebendiger Glaube ist, ich erlebte ihn, durch die praktische Umsetzung seines Wortes und dreimal durch sonst nicht erklärbare Heilungen. Dass Jesus lebt, wurde für mich zur erfahrbaren Wirklichkeit.

Könnte ich nun noch etwas anderes sein als Christ? Es gibt viele schwarze Flecken, es gibt Versagen und Unwahrhaftigkeit, es gibt Niedergeschlagenheit und mangelndes Vertrauen, zwar nicht zu Gott, aber zu mir selbst. Darf ich mich da überhaupt Christ nennen? Was ist ein Christ? Ein fehlerloser Supermensch, ein Mensch, der es durch Erkenntnis und Übungen zur Vollkommenheit geschafft hat? Nein, ein Christ ist, der seine Fehler, Versäumnisse, schlichtweg seine Sünden erkennt, der im Bewusstsein dieses Mankos nur eines weiß: Er braucht Jesus.

Wenn der ein Christ ist, der weiß, dass nur die Verbindung zu Jesus einen Christen macht, dann wage ich es, mich als Christ zu bezeichnen.

Ingo Resch


INGO RESCH

Dr. Ingo Resch, 1939, verheiratet, Vater zweier erwachsener Töchter, Verleger, Mitbegründer und Vorstandsmitglied der evangelischen Lukas-Schule in München, Referent für verschiedene christliche Organisationen, Bundesverdienstkreuz für berufliches und soziales Engagement.



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  Dr. Ingo Resch, Verleger, Mitbegründer und Vorstandsmitglied der evangelischen Lukas-Kirche in München, mit Frau.
(Foto: privat)