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Rückkehr zur Volkskirche

"Warum ich in die Kirche eintrete"

Von Susanne Petersen

Die hohe Zahl von Austritten verursacht den Kirchenoberen seit Jahren Bauchweh. Jetzt steuert die evangelische Kirche dagegen: Gemeinden in Nürnberg und München werben um neue Mitglieder und versuchen, Unsicherheiten und Hemmschwellen bei Eintrittswilligen zu beseitigen. Hier krieg ich Kraft, hier öffnen sich Welten": Diese Slogans prangen vom 6. bis 31. Oktober an Straßenkreuzungen, Bushaltestellen und Kirchen im Kirchenkreis Nürnberg. Sie sind der Auftakt zur Initiative "Treten Sie ein!", an der Regionalbischof Karl-Heinz Röhlin seit 1999 feilt.

Auslöser für das Projekt, so Röhlin, "war die Wahrnehmung, dass im Kirchenkreis Nürnberg zwar jährlich 3000 Menschen aus der evangelischen Kirche austreten, aber auch 800 eintreten - Tendenz steigend." Diesen Trend wollte man nutzen. Die eigens gegründete Projektgruppe und die Gemeinden beschlossen, das Leitbild "Offene Kirchen" vor Ort umzusetzen, Ausgetretene und Interessierte in die Kirchen einzuladen. Von 218 Gemeinden im Kirchenkreis beteiligen sich 190 an der Aktion "Treten Sie ein!"

Dass sich das Engagement lohnt, zeigt eine ähnliche Initiative, die bereits 1998 im Münchner Prodekanat Nord stattgefunden hat. Sieben Gemeinden unter der Führung des damaligen Prodekans Roderich Diez warben mit Plakaten und Telefonaktionen für den Kircheneintritt. Gerade die Möglichkeit, telefonisch und anonym mit der Kirche in Kontakt zu treten, baue Hemmschwellen ab, so Diez. 50 Anrufer meldeten sich, von denen 20 nachweislich in die Kirche eintraten. Seit Februar diesen Jahres verweist das Telefonbuch beim Stichwort "Evangelisch-lutherische Kirche" auf die Kircheneintritts-Nummer 31 20 31 20. "Allein durch diese Maßnahme rufen bei uns wöchentlich ein bis zwei Interessierte an, die sich erkundigen, wie sie in die Kirche eintreten können", sagt Diez. Im Kirchenkreis Nürnberg fällt bald der Startschuss für die Aktion "Treten Sie ein!". 15 000 Menschen, die innerhalb der letzten zehn Jahre ausgetreten sind, erhalten Anfang Oktober einen Brief vom Regionalbischof, der zum Gespräch einlädt. Bei 2000 davon läutet in den folgenden Wochen das Telefon: Ehrenamtliche Mitarbeiter der Aktion versuchen, einen direkten Kontakt mit der Kirche herzustellen. Gleichzeitig rollt eine Medienkampagne an. Mit Plakaten, einem eigenen Veranstaltungskalender und Internet-Auftritt soll die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewonnen werden. äKirche begegnet an unerwarteten Orten" ist das Signal, das Röhlin aussenden will. Die beteiligten Gemeinden öffnen täglich für wenigstens vier Stunden ihre Kirchenpforten und laden ein zum Verweilen, zu einer Führung oder Ausstellung.

Die Dekanate Nürnberg, Erlangen und Fürth beschlossen, eigene Plakate mit Prominenten aus ihrer Region zu drucken. Die Gold-Schwimmerin Hannah Stockbauer sowie Klaus Wolfermann, der 1972 Olympia-Gold im Speerwurf gewann, leihen der Aktion dort ihr Gesicht. Vor der Lorenzkirche in Nürnberg werden Prominente zur Podiumsdiskussion erwartet, darunter die frühere SPD-Vorsitzende Bayerns, Renate Schmidt, die selbst aus der Kirche aus- und wieder eingetreten war.

Wie wenig manchmal nötig ist, um Menschen zum Kircheneintritt zu ermutigen, hat Röhlin selbst erfahren. Nachdem eine Tageszeitung groß über die geplante Aktion berichtet hatte, klingelte in seinem Nürnberger Büro das Telefon. Ein Mann aus München war am Apparat und wollte wissen, ob er bei ihm wieder in die Kirche eintreten könne. Röhlins Erkenntnis aus dieser Begegnung: "Manche brauchen nur einen kleinen Anstoß, um der Kirche wieder näher zu kommen."


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  Hubert Vogel, Heike Guth, Bernd Zimmermann, und Angelika Kuban sind in die evangelische Kirche eingetreten.
(Fotos: kl, bie, pet)