Das Stichwort
Neuapostolische Kirche
Die Neuapostolische Kirche (NAK) ist mit etwa 400 000 Mitgliedern die größte christliche Sondergemeinschaft in Deutschland. Sie hat wesentlich mehr Mitglieder als alle evangelischen Freikirchen zusammen und mehr als doppelt so viele Mitglieder wie die Zeugen Jehovas. Weltweit bekennen sich heute etwa 9,4 Millionen Menschen zum neuapostolischen Glauben.
Entstanden im 18. und 19. Jahrhundert in England, verstanden sich die frühen apostolischen Gemeinden, ähnlich den Mormonen, als das "wiederaufgerichtete Erlösungswerk unseres Herrn", als die wahre Kirche Christi in der Endzeit, die von "Aposteln" geleitet werden sollte. Streit über deren Berufung führte immer wieder zu Zerwürfnissen und Abspaltungen. Heute erhebt die Neuapostolische Kirche (NAK) den Anspruch, die "einzig wahre Fortsetzung der Urkirche" zu sein.
Für das Lebensgefühl der heutigen NAK sind diese Fragen jedoch von untergeordneter Bedeutung. Hier zählt vielmehr, dass die NAK wie eine (Glaubens-) Familie lebt: Jeder hat seinen Platz, jeder hat seine Aufgabe, und allen ist geholfen, wenn die gleichsam gottgegebene Ordnung nicht unnötig hinterfragt wird. Man fühlt sich als Familie.
Kritiker bzw. Aussteiger berichten freilich, dass die NAK ihre Mitglieder "überwacht, kontrolliert, unterdrückt". Der "familiäre Charakter" der NAK hat also zwei Gesichter: Positiv lässt sich von christlicher Gemeinschaft und Verbindlichkeit reden, negativ von Kontrolle und autoritärem Druck. Aussteiger erzählen, zu welchen Konflikten die innere Bindung an die NAK führen kann, und kritisieren die Art der Vermittlung der NAK-Glaubenslehren.
Für die NAK ist die wahre Kirche Christi an das Amt, genauer an das Amt des Apostels gebunden. Der neuapostolische Apostel ist "der von Gott erwählte Bevollmächtigte Jesu Christi", ihm ist sogar der Heilige Geist untergeordnet.
Folgt man dieser Logik, dann ist Kirche im Vollsinn nur da möglich, wo Apostel sind. Dieser Befund ist für das theologische Selbstverständnis der NAK grundlegend - und er ist aus evangelischer Sicht grundlegend falsch, da das biblische Apostelamt an die Beauftragung durch Jesus Christus gebunden war. Die Zeit der Apostel ist vorbei.
Kurzfassung eines Textes der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW). Die Langfassung kann als Faltblatt bezogen werden: EZW, Auguststraße 80, 10117 Berlin.
(Internet: www.ekd.de/ezw/)
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