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"Meine Anklage ließ an Deutlichkeit nie etwas zu wünschen übrig"

Interview: sob

Seit über 25 Jahren baut Wolfgang Wankmiller, der Kopf des gleichnamigen Clans in Füssen, an seinem Staat im Staate (das Sonntagsblatt berichtete mehrmals). Vor ein paar Tagen haben erstmals erfolgreiche Hausdurchsuchungen in Häusern des "Stammes der Likatier" stattgefunden. Paul Wengert (SPD), seit 1990 Bürgermeister in Füssen, erzählt im Interview mit dem Sonntagsblatt, welche Erfahrungen er mit dem Clan gemacht hat.

   Warum hat es so lange gedauert, bis bei der Wankmiller-Gruppe eine erfolgreiche Hausdurchsuchung realisiert wurde?

Wengert: Da sich jetzt einige Personen vom Clan gelöst und vor der Polizei ausgesagt haben, ermittelt die Staatsanwaltschaft. Das wäre früher nicht möglich gewesen, weil es keinen begründeten und beweisbaren Anfangsverdacht gab.

   Dem "Stamm der Likatier" wird immer wieder vorgeworfen, zu Unrecht staatliche finanzielle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Wengert: Es fließt schon lange keine Arbeitslosenunterstützung mehr, Kindergeld wird hingegen noch bezahlt. Natürlich ist es fragwürdig, wenn Stammesmitglieder Kinder in die Welt setzen, um den Stamm zu vergrößern. Aber ist es moralisch-rechtlich zulässig zu differenzieren? Das sind genauso Kinder wie alle anderen.

   Erfolgt eine indirekte Unterstützung von Seiten der Behörden, zum Beispiel durch den Kauf von Computern aus einem der Läden der Gruppe?.

Wengert: Es gab meines Wissens nach einen einzigen Fall. Unser Kreiskämmerer informierte mich, dass keine Geschäftsbeziehungen mehr bestehen.

   Wie schätzen Sie als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse die Konsequenzen für das Geldinstitut ein, das Jahre lang zwei Sektenmitglieder beschäftigte?.

Wengert: Ich habe immer vor Kontakten mit Wankmillers Betrieben und Kanzleien gewarnt. Das hat mir auch einigen Ärger eingebracht. Als ich beispielsweise erfuhr, dass eine alte Dame ihre Vermögensgeschäfte von einer Anwältin aus der Gruppe abwickeln lässt, habe ich die Dame darauf hingewiesen und mir einen Protestbrief ihres Sohnes eingehandelt.

   Als Bürgermeister sitzen Sie da sicher oft zwischen den Stühlen. Im Wankmiller-Clan sind Kinder aus alteingesessenen Füssener Familien.

Wengert: Überhaupt nicht. Ich bin kein gebürtiger Füssener. Außerdem entscheide ich ohne Ansehen der Person. Meine Anklage hat an Deutlichkeit nie etwas zu wünschen übrig gelassen.

   Aus welchen Gründen hat sich der Füssener Stadtrat nie in einer öffentlichen Erklärung von Wankmiller distanziert?.

Wengert: Das habe ich wiederholt angeregt. Der SPD-Fraktionsvorsitzende hat auch schon einen Entwurf vorbereitet. Ich gehe davon aus, dass er ihn dem Stadtrat in der nächsten Sitzung vorlegen wird.

   Hat das starke Medieninteresse in der Angelegenheit Wankmiller dem Ruf der Stadt geschadet?.

Wengert: Das schadet nur, wenn die wahrheitswidrige und sensationslüsterne Berichterstattung überhand nimmt und etwa behauptet wird, dass eine ganze Stadt im Griff des Clans sei.

   Steht Ihre Bewerbung um das Augsburger Oberbürgermeisteramt in Zusammenhang mit den Querelen um Wankmiller?.

Wengert: Da besteht kein Zusammenhang. Es gibt hier in Füssen schwierigere Probleme, zum Beispiel die geringen Einnahmen durch die Gewerbesteuer. Es gäbe 1000 Gründe, hier zu bleiben, aber Augsburg bedeutet für mich eine große Chance und Herausforderung.


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