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Der Tourismus eint Israelis und Palästinenser

Kommentar von Rainer Clos

Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB), die derzeit in Berlin ein Schaufenster globaler Reiselust bietet, sind sie friedlich Nachbarn. In der Halle 21 befindet sich der Stand, mit dem sich das Tourismusministerium der Palästinensischen Autonomiebehörde präsentiert, direkt neben dem Israel-Pavillon. Und ein Mitarbeiter der israelischen Airline ELAL reicht schon mal einen Teller mit Fischspezialitäten an die palästinensischen Fremdenverkehrsvertreter weiter. Denn die Tourismusexperten der Region wissen, dass man aufeinander angewiesen ist - trotz der seit Oktober anhaltenden Spannungen in der Nahost-Region.

Dokumentiert wird dies auch durch eine gemeinsame Erklärung der Fachminister aus Jerusalem und Bethlehem, die sowohl von israelischen wie auch palästinensischen Repräsentanten verteilt wird. "Die Sicherheit der Touristen und Pilger im Heiligen Land war, ist und wird immer gewährleistet sein", versichern darin beide Regierungsmitglieder. Das Motiv dieser Aktion ist klar. Seit dem Ausbruch der zweiten Intifada im Herbst haben viele der erwarteten ausländischen Gäste ihren Urlaub im Heiligen Land abgesagt.

Dabei kam Israel glimpflicher davon als etwa die favorisierten Reiseziele Bethlehem und Jericho in den palästinensischen Gebieten. Trotz der Unruhen verzeichnete Israel ein Rekordjahr. Insgesamt 2,6 Millionen Besucher wurden im Jahr 2000 gezählt, vier Prozent mehr als 1999. Bis zum Aufflammen der Unruhen betrug das Plus sogar 25 Prozent. Danach wurden zahlreiche Absagen registriert.

Ein ähnlich gespaltenes Bild ergibt sich auch für die Autonomiegebiete. Bis September wurde rund eine Million Besucher verzeichnet, in den restlichen drei Monaten kamen nur noch rund 40 000 statt der erwarteten 300 000 Urlauber. Für die Tourismusbetriebe in den Autonomiegebieten, die in den vergangenen Jahren erheblich investiert haben, sei dies ein herber Rückschlag. "Entweder wir vermarkten das Heilige Land gemeinsam oder gar nicht", illustriert Majed Ishaq vom palästinensischen Tourismusministerium, dass Israelis und Palästinenser beim Tourismus in einem Boot sitzen.

Doch ob sich die Urlauberzahlen rasch wieder normalisieren werden, erscheint ungewiss. In den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes heißt es zwar, Reisen im Kernland von Israel erschienen unbedenklich. Trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen seien aber Selbstmordattentate nicht auszuschließen. Von Reisen in die palästinensischen Gebiete wird dringend abgeraten. Aber gerade die große Schar christlicher Pilger will auf dem Trip ins Heilige Land neben den Attraktionen in Israel auch Bethlehem und Jericho ansteuern.


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