Trend bei Jugendlichen
Abschied von der Spaßgeneration
Von Helmut Frank
Die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland will nach einer Allensbach-Umfrage in erster Linie Spaß haben und das Leben genießen - aber es gibt einen Trend zur Sinnsuche. Der bayerische Landesjugendpfarrer Rainer Brandt sieht eine wachsende Sehnsucht nach Lebenssinn, Glauben und spirituellen Vorbildern.
Sind die Jugendlichen in Deutschland der Spaßgesellschaft überdrüssig? Zwar sucht die übergroße Mehrheit weiterhin ihren Lebenssinn vor allem in viel Freude und Genuss. Auch spielen christliche Tugenden wie Nächstenliebe oder das Handeln nach Gottes Willen nur eine geringe Rolle. Aber langsam beginnt sich eine Trendwende abzuzeichnen.
Eine noch kleine, aber wachsende Gruppe junger Leute will aus der Selbstlosigkeit Sinn schöpfen. Diese Ergebnisse fördert die jüngste Untersuchung zum Lebenssinn des Instituts für Demoskopie Allensbach zutage, bei der 1038 Personen befragt wurden.
Fast zwei Drittel (65 Prozent) sehen den Sinn des Lebens vor allem darin, "dass ich glücklich bin, viel Freude habe". Von den unter 30-Jährigen sehnen sich 84 Prozent danach. Das Leben zu genießen, ist für jeden zweiten Deutschen am wichtigsten. Vor drei Jahren waren es allerdings noch sechs Prozent mehr, die diese Einstellung hatten. Bei jüngeren Leuten ist der Anteil weiter auf 78 Prozent gestiegen.
Aber auch jene, die vor allem Nächstenliebe üben wollen, sind zahlreicher geworden. Heute streben 22 Prozent der unter 30-Jährigen danach, "ganz für andere da zu sein, anderen zu helfen". Das sind fünf Prozent mehr als vor vier Jahren, und damit übertrifft die jüngere Generation die Gesamtbevölkerung um einen Prozentpunkt. Der Glaube treibt jedoch die wenigsten zum Handeln an. "Tun, was Gott von mir erwartet", ist von 15 Prozent der Deutschen der Schlüssel zum Lebenssinn. Viel entscheidender für die meisten sind Familie (63 Prozent), Kinder (61) oder das eigene Haus (20). Jeder Zweite will ein hohes Ansehen haben, jeder Dritte möchte beliebt sein.
Landesjugendpfarrer Rainer Brandt (Nürnberg) betonte bei einer Jugendarbeitertagung im mittelfränkischen Pappenheim, "Jugendliche von heute sind sehr lebenspraktisch, sie wollen anerkannt werden, mitmenschlich leben, aber auch frei sein." Der Wunsch nach Beruf und Familie, aber auch die Suche nach Lebenssinn nähmen bei der jungen Generation breiten Raum ein.
Unter Jugendlichen gebe es zwar Misstrauen gegenüber Institutionen wie der Kirche, aber eine große Sehnsucht nach spirituellen Vorbildern, meinte Brandt. Religiöse Bedürfnisse seien genug vorhanden, es fehle jedoch an Lehrern und Meistern, die damit umgehen könnten, ohne sich hinter fertigen Rezepten zu verstecken: "Jugendliche wollen Menschen erleben, die authentisch sind."
Deswegen komme es für die Kirche darauf an, die spirituelle Kompetenz ihrer Mitarbeiter zu vertiefen. "Wir müssen mehr für die Seele des Unternehmens tun", erklärte der Landesjugendpfarrer. Angesichts der Sinnsuche vieler Jugendlicher dürfe die evangelische Jugendarbeit "keine kleinen Brötchen backen".
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