Sonntagsblatt-Logo Diese Woche

 

Diese Woche
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service

Impressum
 
Israel vor der Wahl

Wer kann den Frieden bringen?

Von Thorsten Mertens/Jerusalem

Bei der Wahl zum Ministerpräsidenten in Israel am 6. Februar liegt der Kandidat der Konservativen vorn. Kann Ariel Scharon nach seinem bisherigen Konfrontationskurs mit den Palästinensern Frieden schließen?

Krieg und Scharon - in diesem Film waren wir schon, plakatiert Israels linke Merez-Partei im Stil eines Kinoplakats. Sie erinnert damit an den Zermürbungskrieg im Libanon, in den der Kandidat des konservativen Likud, Ariel Scharon, die israelische Armee 1982 ebenso Hals über Kopf hineingestürzt hatte, wie Ehud Barak die Truppen im letzten Jahr wieder abzog.

"Scharon bringt Schalom", setzt der rechte Likud-Block den Befürchtungen der israelischen Linken entgegen, und was sich im Deutschen anhört wie ein schlechter Reim, ist es auch im Hebräischen. Dennoch hat der Herausforderer im Lauf zum Chefsessel der Regierung die Nase vorn. Nach einer aktuellen Umfrage der Jerusalem Post liegt er mit 44 Prozent Zustimmung deutlich vor Premier Ehud Barak mit nur 28 Prozent, der vielleicht noch kurz vor der Wahl dem populäreren Schimon Perez Platz machen muss. Aller Voraussicht nach heißt der nächste israelische Ministerpräsident Ariel Scharon. Bleibt die entscheidende Frage: Bringt Scharon tatsächlich den Frieden?

Unmöglich ist das nicht. Viele Israelis hoffen auf das Beispiel Begin. Ausgerechnet einer der damals erzkonservativsten Politiker der israelischen Rechten hat 1978 den Friedensvertrag mit Ägypten ausgehandelt. Solchen Hoffnungen entgegen steht der Charakter Scharons. Noch vor zwei Monaten erklärte er großspurig dem Magazin The New Yorker, Arafat sei ein Lügner und Feind Israels. Selbst wenn er Recht hätte mit dieser Behauptung - diplomatisch ist sie nicht. Zankapfel aller Parteien, ob rechts oder links, israelisch oder palästinensisch, ist Jerusalems Altstadt mit ihren Heiligen Stätten, die von drei Weltreligionen verehrt werden. Wie die Zukunft in diesem Gewimmel von Gassen, Kirchen, Synagogen und Moscheen aussehen wird, steht noch in den Sternen. "Die Heiligen Stätten sind für uns westlichen Christen keine magischen Orte", sagt Karl-Heinz Ronecker, der Probst der deutschen evangelischen Gemeinde in Jerusalem. "Sie sind Orte, denen eine Geschichte zugeordnet wird, die uns wichtig ist." Wer in Zukunft den Zugang zu diesen geschichtsträchtigen Stätten sichert und verwaltet, welche Polizisten hier Streife gehen werden und ob sich für Touristen und Pilger etwas ändern wird, das weiß in Israel momentan niemand zu sagen. Es sei vorstellbar, dass Scharon einen Friedensvertrag bringe, immerhin habe er in der Knesset keine Opposition zu befürchten in diesem Punkte, sagt Ronnecker. Anders als Barak: Nach seinen vielen Alleingängen kann ihn keiner mehr festmachen. "Dieser Mann ist ein ungeheures Rätsel."




Nächster Artikel


 



  Die israelische und die palästinensische Flagge auf einem gemeinsam verwalteten Tempelberg in Jerusalem: Was unsere Fotomontage als Friedensvision ausdrückt, empfinden immer noch große Teile der Bevölkerung beider Völker als Bedrohung eigener Interessen. Links neben dem muslimischen Felsendom die deutsche evangelisch-lutherische Erlöserkirche.
(Foto: epd-bild)