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Ausgabe - vom (Datum): 33-17.08.2003




Sagen Sie mal, Johannes ...

 ... das ist ja, als ob Sie wirklich hellsehen könnten. Sie haben tatsächlich die derzeitige Hitzewelle über Deutschland vorhergesagt!


Johannes
  Berner Nelkenmeister: Johannes der Täufer in der Wüste. Zürich, Kunsthaus. Bild: sob

Johannes: Ach was, ich hatte keine seherische Gabe. Aber ich hatte Träume.

 Wie? In Ihren Aufzeichnungen lese ich doch: »Und die Menschen wurden versengt von der großen Hitze ... « So geht’s uns doch seit ein paar Wochen! Das kann kein Traum sein!

Johannes: Meinen Sie, ich sei ein Wetterfrosch? Den Fehler, den Sie gerade begehen, haben Tausende vor Ihnen gemacht!

 Nämlich?

Johannes: Die Aussagen meines Buches damals eins zu eins auf die Geschehnisse Ihrer Zeit zu übertragen. Ich habe geträumt, hatte Bilder im Kopf – aber ich habe das alles keineswegs als wörtlich zu nehmende Vorhersagen verstanden! Oder meinen Sie wirklich, Jesus würde auf Wolken wiederkommen, Posaunen würden erschallen und der Antichrist würde die Welt ins Verderben stürzen?

 Natürlich. Wenn ich der Bibel nicht glauben kann, wem dann?

Johannes: Sie sollen an Gott glauben, nicht an die Bibel. Die Bibel ist ein menschliches Schriftstück, in dem sich die Erfahrungen der Menschen mit Gott spiegeln.

 Moment. Also stimmt nicht alles, was drin steht, auch in Ihrer Apokalypse? Immerhin sei das eine Offenbarung Gottes, lese ich dort.

Johannes: Ja, das war ja auch eine Offenbarung. Die Zielrichtung stimmt, die Details sind aber eher unwichtig. Sie können sich – wie ich damals – an den Bildern, die mir in den Kopf geschossen sind, berauschen. Das Lamm, die sieben Siegel, der Leviathan ...

 Ich will mich aber nicht an der Bibel berauschen, sondern möchte klipp und klar wissen, wie das Ende der Welt aussieht. Bisher war mir da Ihr letztes Buch der Bibel ein Wegweiser. Den haben Sie mir jetzt gründlich zerstört.

Johannes: Meine Apokalypse ist ja auch ein Wegweiser. Dass es nicht harmonisch beim Weltende zugehen wird, können Sie sich an fünf Fingern ausrechnen. Sicherlich kann theoretisch Ihre derzeitige Hitzewelle auf eine Veränderung des Klimas hindeuten, die in einigen Tausend Jahren die Erde unbewohnbar machen und das Ende der Welt einleiten wird. Aber das ist eher ein Zufallstreffer ...

 Also könnte ich Ihre Apokalypse aus meiner Bibel hinausschmeißen? Wenn sowieso nichts stimmt?

Johannes: Um Gottes willen, welch ein Missverständnis! Natürlich stimmt, was ich geschrieben habe. Nämlich, dass am Ende der Welt nicht Zerstörung und Tod stehen. Sondern Gott. Und der wird alle Tränen abwischen, Schmerz und Geschrei werden nicht mehr sein.

 Und auch keine Hitze?

Johannes: Ich dachte, Sie hätten mein Buch gelesen. Da steht’s doch: »Es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze.« Nehmen Sie das als Trost, wenn es Ihnen gut tut

 Vielen Dank für das Gespräch.

Fragen: Uwe Birnstein


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Eine Übersicht aller Interviews mit Personen der Bibel finden Sie hier

ZUR PERSON
JOHANNES war ein Visionär, der auf der griechischen Insel Patmos lebte. Seine Bilder des Welt-Endes strotzen vor mächtigen, Angst einflößenden, aber auch tröstlichen Bildern. Johannes ist nicht identisch mit dem gleichnamigen Apostel oder Evangelisten.Quelle: Buch der Offenbarung; Zitate: 7,16. 16,9. 21,4
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sagen-sie-mal.de


Interviews mit Personen der Bibel



Der Autor und Theologe Uwe Birnstein interviewt zum ökumenischen Jahr der Bibel 2003 Jesus, Maria und andere prominente Männer und Frauen der Heiligen Schrift.


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abgerufen 07.02.2012, 10.35 Uhr
zuletzt geändert 16.12.2009, 16.57 Uhr

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