Ausgabe - vom (Datum): 30-27.07.2003
Sagen Sie mal, Susanna...
... war das nicht ein bisschen leichtsinnig, im Garten zu baden?
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 | | Franz von Stuck: Susanna im Bade, 1913, München. Repro: epd

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Susanna: Na hören Sie mal. Wo kommen wir denn hin, wenn man sich noch nicht einmal im eigenen Garten sicher fühlen kann? Ich konnte ja nicht ahnen, dass sich diese beiden alten Lustmolche im Gebüsch versteckt hatten!
Die waren richtig scharf auf Sie.
Susanna: »Scharf« ist leider hemmungslos untertrieben. Denen stand der Geifer ja schon ins Gesicht geschrieben.
»Sie warfen die Augen so sehr auf sie, dass sie nicht mehr zum Himmel aufsehen konnten und nicht mehr an gerechte Urteile dachten«, beschreibt es die Bibel.
Susanna: Absolut zutreffend. Sie als Mann können dieses Gefühl sicherlich gar nicht nachvollziehen, wenn zwei hormonell irregeleitete Menschen auf einen zukommen. Ich lag im Bade, war völlig entspannt. Plötzlich raschelt’s, ich sehe die beiden und höre sie mit bibbernden
Stimmen fordern: »Sei uns zu Willen!«
Sie müssen schreckliche Angst gehabt haben.
Susanna: Angst? Nein. Ich war nur erschrocken – und musste dann unwillkürlich laut loslachen über diese abstruse Situation. Und darüber, dass sie sich tatsächlich einbildeten,
ich würde mich zu irgendwelchem Schweinkram hinreißen lassen.
Die beiden halfen aber mit einer kleinen Erpressung nach.
Susanna: Stimmt, das brachte mich in eine Zwickmühle. Die Situation war für Außenstehende mehr als zweideutig. Ich hätte die beiden ja auch als Gespielen zu mir eingeladen haben können. Ich überlegte kurz, dann sammelte ich all meine Kräfte und schrie los. So laut ich konnte.
Sind die beiden geflohen?
Susanna: Nein, sie waren sich ihrer Sache sicher. Sie schrien ebenfalls los. Schnell kamen meine Mägde und einige Dorfälteste gelaufen. Stellen Sie sich vor: Ich nackt im Bad, ganz viele Leute – eine wahrhaft blöde Lage. Ich wurde bleich, als die beiden Geifersäcke ihre Version der Geschichte erzählten: Ich hätte ein Schäferstündchen mit einem jungen Mann gehalten, sie hätten
uns dabei ertappt und ihn verscheucht. Eine infame Lüge!
Ihnen drohte der Tod.
Susanna: Ich war mir sicher, dass Gott mir wegen meiner Standhaftigkeit
aus der Patsche helfen würde. Erstens traute mir niemand zu, dass ich fremdgehen würde. Und zweitens war Daniel, der Prophet, unter den Prozessbeobachtern. Er mischte sich ein und bewies wieder mal sein detektivisches Talent.
Das ist schwer in einer Zeit ohne Video-Kameras und kriminalistische Spurensuche.
Susanna: Ach was, solche neumodischen Methoden brauchte der gar nicht. Es ging viel einfacher. Er fragte die beiden Alten einfach nur getrennt voneinander, unter was für einem Baum ich mit meinem Liebhaber gelegen habe. Dabei verwickelten die beiden sich in unerklärbare Widersprüche. Am Ende war klar: Sie lügen. Ich war wieder eine freie Frau.
Puh. Gut rausgekommen aus der Nummer
Susanna: Gott sei Dank.
Baden Sie jetzt immer noch im Garten?
Susanna: Na hören Sie mal! Wo kommen wir denn hin, wenn man sich noch nicht einmal im eigenen Garten sicher fühlen kann?
Vielen Dank für das Gespräch
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