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Ausgabe - vom (Datum): 28-13.07.2003




Sagen Sie mal, Goliat...

 ... peinlich, peinlich, sich von so einem Bengel besiegen zu lassen...


Goliat
  David mit dem Haupt Goliats. Gemälde von Caravaggio, um 1605. Repro: sob

Goliat: Ich gräme mich noch immer. An alles hatte ich gedacht, hatte einen Helm und meine Rüstung angelegt. Und dieser Piefke holt einfach seine Steinschleuder aus der Tasche...

 .. und erkennt sozusagen Ihre einzige Sicherheitslücke.

Goliat: Ja. Ich war so groß, dass eigentlich niemand an mein Gesicht hätte kommen können. Dann plötzlich dieser stechende Schmerz in der Stirn. Der Knabe hat mit so einer Wucht den Stein geschleudert, dass er sich tief in meinen Schädel grub. Ich sah Sterne und sackte zusammen. Wie durch Wände hörte ich noch das überraschte Raunen meiner Kampfesgenossen. Dann wurde alles dunkel und still.

 Ihre Größe hat Ihnen wider Erwarten nichts genützt.

Goliat: Noch nie hatte ein Mann gewagt, mich anzugreifen. Ich baute nicht nur auf meine körperliche Kraft – die war gar nicht so groß! -, sondern auch auf meine Erscheinung. Sie flößte den meisten Menschen, ob Feind oder Freund, so viel Angst ein, dass sie sofort das Weite suchten.

 David hatte keine Angst.

Goliat: Ja. Nicht das fehlende Visier, sondern die fehlende Angst war die eigentliche Sicherheitslücke. Das hatte ich noch nie erlebt: ein Mensch, der keine Angst hat. Vor mir, dem drei Meter großen Goliat, dessen Name Programm ist: »verheerende Kraft«.

 Ein geflügeltes Wort sagt: »Angst ist ein schlechter Ratgeber.«

Goliat: Wahrscheinlich stimmt das. Für mich bot das Gegenteil die Grundlage meines Lebens. Die meisten Menschen lassen sich von der Angst ihr Verhalten diktieren. Wie habe ich sie verachtet, die Leute, die wegrannten vor mir. Ich muss Ihnen gestehen: So sehr meine Erscheinung im Kampf von Vorteil war - eigentlich hat sie mich ziemlich einsam gemacht. Denn auch im Alltag traute sich kaum jemand, mich anzusprechen. Erst recht keine Frauen.

 Das ist hart.

Goliat: Das sage ich Ihnen. Wie oft habe ich versucht, mich klein zu machen, mich zu ducken. Aber selbst wenn ich irgendwo in einem Basar saß, überragte ich die anderen um Kopfeshöhe. Alle hatten Ehrfurcht vor mir. Aber niemand wagte, eine Freundschaft mit mir aufzubauen.

 Der einsame, schwache Goliat?

Goliat: Sie brauchen gar nicht ironisch zu werden. Mein Selbstbewusstsein baute ich regelmäßig in den Schlachten auf. Das reichte jedes Mal für ein paar Tage. Dann verfiel ich in Depressionen.

 Kannten Sie eigentlich das Gefühl der Angst?

Goliat: Natürlich. Ich hatte Angst, in den Menschen Angst zu erzeugen. Insofern hatte ich allergrößten Respekt vor dem kleinen Hirtenjungen, der da auf mich zukam. Wissen Sie, was ich mir gewünscht hätte?

 Nämlich?

Goliat: Dass mir David nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf dem Basar entgegengelaufen wäre. Dass er ohne Angst zu mir gekommen wäre und sich mit mir unterhalten hätte.

 Schade. So endete die Geschichte mit einem Mord.

Goliat: Als ich niedergesunken bin, hat er mir völlig überflüssigerweise auch noch den Kopf abgehauen. Er hätte es doch bei der Bewusstlosigkeit lassen können. Mein Leben wäre verändert gewesen, und ich hätte ihn nach dem Grund seiner Angstlosigkeit gefragt.

 Er hätte seinen festen Glauben an Gott genannt.

Goliat: Und das hätte mir zu denken gegeben

 Vielen Dank für das Gespräch


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ZUR PERSON
Goliat war ein Krieger des Volkes der Philister. Er maß drei Meter, nach anderen Berichten zwei Meter. Als das Heer des israelitischen Königs Saul gegen die Philister antritt, stellt sich Goliat vor die Truppe und fordert einen Soldaten Israels zum Nahkampf heraus. Das Volk des Verlierers soll sich dem Volk des Siegers unterstellen. Vierzig Tage lang wiederholte Goliat sein Angebot, doch kein Israelit traute sich. Schließlich kam der Hirtenjunge David, der später von Saul die Königswürde übernehmen sollte, des Weges. Voller Vertrauen auf Gottes Macht geht er Goliat entgegen und streckt ihn mit einem gezielten Schuss seiner Steinschleuder nieder. Quelle: 1. Buch Samuel 17
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Der Autor und Theologe Uwe Birnstein interviewt zum ökumenischen Jahr der Bibel 2003 Jesus, Maria und andere prominente Männer und Frauen der Heiligen Schrift.


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abgerufen 07.02.2012, 10.50 Uhr
zuletzt geändert 16.12.2009, 16.57 Uhr

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